Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Bibelwissenschaftliche Irrungen. Aber beide haben auch Unrecht: Der eine verkennt die eigentliche Aufgabe der Apologetik, der andere ihre Not- Wendigkeit. Die Apologetik soll gar nicht imWesentliehenpositiv neue Resultate finden. Ihre Aufgabe ist nur, den Nachweis zu erbringen, daß die Angriffe auf die Wahrheiten des Glaubens unberechtigt sind, weil das beigebrachte Beweismaterial unzureichend oder in sich widerspruchsvoll ist oder die neuen Hypothesen noch weniger im Stande sind, die Schwierigkeiten, die der Angreifer aufdeckt, zu lösen. Die Aufgabe der Apologetik ist erfüllt, wenn gezeigt wird, daß wir keinen Anlaß haben, von der sowohl im Judentum wie im Christentum festgehaltenen Tradition, nach der die biblischen Schriften bestimmten Autoren und bestimmten Zeiten zugeschrieben werden, abzugehen, daß es keinen unerschütterlichen Beweis gibt, der uns zwingen könnte, die niemals früher angezweifelte Einheit des Pentateuchs zu leugnen und diesen im Zusammenhang mit den Geschichtsbüchern in eine Reihe von Quellenschriften zu zerlegen, die je nach der Hypothese verschieden datiert werden. In dem letzten Menschenalter hat eine bestimmte Hypotese sich Allgemeingeltung zu verschaffen gewußt. Es ist die. welche sich an den Namen Wellhausen knüpft, aber durch die Arbeit vieler Mitstreiter und Schüler weiter ausgebaut worden ist. Ihr Grundgedanke ist, daß der Grundstamm des Pentateuchs, das eigentliche mosaische Gesetz ganz jungen Datums ist und aus der Zeit Esras stammt. Die Propheten sind älter als das Gesetz, sie haben den Monotheismus in allmählicher Fortbildung erst geschaffen und zwar im Kampf mit der Volksreligion. Dieser Kampf wurde mit wechselndem Erfolg geführt, aber zu Gunsten des Monotheismus erst durch die Katastrophe des babylonischen Exils entschieden. Um diesen Monotheismus nun zum unverlierbaren Besitz des Volkes zu machen und jeden Rückfall in das Heidentum zu verhüten, hat Esra nachdem mancherlei Vorarbeiten Anderer vorausgegangen waren, das Volk auf die ״Thora Mosis“ verpflichtet. Er leitet dadurch eine Entwickelung ein, in der das Volk von dem reinen Gedanken des israelitischen Propheten-