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Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
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189 Ein Roman über Krieg und Gotteserkenntnis. ganzen: Aus dieser Volksmenge, der proles (wörtlich: der Kinderzeugenden) von gestern, aus dem Pöbel, dem sensationsgierigeil, * erwächst wie eine strahlende Gottheit ehrfurchtsgebietend das Volk.“ (p. 56) Ein neuer Geist erwacht in diesen Hunderttausenden, eine neue gigantische Bruderseele wird geboren, das eigene Ich versinkt, verschwindet, da sind keine Einzelwesen mehr, diese sind nur noch ״kleinste Teilchen im Blutströme des Volkes.“ Ein Opferwetteifer flammt auf, eine Hingebungsbereitschaft, die jeden selbstischen Trieb überstrahlt. Wie war aber eine solche geistig-sittliche Umprägung, eine Preisgabe des sich selbstbehauptenden Einzelindividuen zugunsten einer für Not und Tod geeinten Allgemeinheit möglich? Der neu lebendiggewordene Gottesglaube bewirkte es. die Sehnsucht nach dem neuen alten Gotte, der über all unsern menschlichen Irrungen und wechselnden Wehleiden als unverrückbarer Schöpfer und Lenker unserer Geschicke ewig waltet. Und nicht nur der in alltäglicher Stumpfheit dahindämmernde Volksgenosse erlebt diese Neuprägung seines Glaubens an sich, sondern auch diese fünf Intellektuellen, der Dichter Nystedt an ihrer Spitze erleben jeder in ihrer Weise, der Dichter am tiefsten, diese geistig-religiöse Wiedergeburt. Doch hören wir des Dichters Worte: ..Durch den Krieg erkannten wir einen Gott, der nicht aus Gedankengespinnsten herauswächst. Im Atem des Volkes erkannten wir ihn, des Volkes, das auf sich selbst vertraut. Das ist der Deutschen Gott, der Geist unseres Volkes, wie es ihn bekannte in jenen Augusttagen in Opfermut und Todesfreudigkeit und ihn weiter bekennt mit jeder Wunde, jedem Blutstropfen, und wenn wir selbst uns hingeben, so haben wir teil an diesem Gott. Jenes dunkle Wort: Wer Gott schaut, der stirbt, (vgl. Ex. XXXIII 20) ward geboren aus der Todesnot. Es stirbt nur der einzelne, der seinem Volke sich gibt, um wieder zu erwachen im Volke, in Gott. ,.(p. 306).“ ״Jene Masse vor dem Kriege, die der Genußsucht lebte und dem Materialismus huldigte, war nicht göttlich. Eine Idee erst mußte in dieser Masse den Geist erwecken und die Menge zum Volk wandeln. Erst in der Not erkannte das Volk seinen Gott“ (p. 219).

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