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Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 59)
Language
German
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Ein Boman über Krieg und Gotteserkenntnis. 18 7 kampfes jeder Vernunftsgebraueh zum Hohn? Wo soll hier der Einzelne, sei er grüblerisch oder glaubensstark gewesen, einen Halt, einen festen Pol für sein Denken finden? So mag mancher sein Schicksal befragen. Ein Erlebnis, das größte wohl dieses Krieges, hat für jeden Denkenden diese Zeit gebracht: Die Beschäftigung mit dem Gedanken an den Tod. Unsre Lebensweise im Frieden wer fast ausschließlich und allein dem Leben zugewandt, auf das ״Leben der Stunde“ (היי שעה) eingestellt, Wir waren bestrebt, unsern Kindern alles Trübe, Kranke oder dem Tode Geweihte ängstlich fernzuhalten. Nur Licht, Frohsinn sollte ihre Kindheit bestrahlen, Spiel und Schönheit ihr Geleitstern sein. Und nicht anders wurde es in den reiferen Jahren: Bewahrt euch möglichst vor den Häßlichkeiten des Lebens, denn diese bekommt ihr noch früh genug zu sehen. Nur das Ästhetische gibt euch eine Rechtfertigung der Welt, Glück ohne Reue, Freude um jeden Preis gilt diesem Geschlechte als Höchstes, dagegen Sittlichkeit, Skrupel, Sünde sind Vorurteile und geziemen dem Höhenmenschen schlecht. Jede Liebe gipfelt (so verkündet Nietzsche) in der Selbstliebe und Selbstbefriedigung, und Mitleid, Hilfsbereitschaft ist nur eine sublimierte Form der Selbstliebe und eigentlich eine Schwächung der eigenherrlichen Persönlichkeit. Daß solche Gedanken, dem Cäsarengenie des Meisters wohl anstehend, in den genußfreudigen Kreisen der modernen Jugend viele Verheerungen anrichteten und gewissen Literaturgattungen den Stempel der Dekadenz aufdrückten, wem wären diese Erscheinungen der letzten Jahrzehnte un• bekannt? Da kam der Krieg, der große Erzieher und Umwerter aller Werte. Eine Öde entstand in uns, ein Gefühl der Entwurzelung und Verzagtheit ergriff die Besten. Die Ankläger erhoben ihre Stimme: Wir, wir Deutschen, die Hüter des Grals, des Idealen, wir sollten die Anstifter all des Kriegsverderbens sein, wir mit unsrer Nietzschelehre vom Herrenmenschen und *Eroberertum! Wir hätten diesen Weltenbrand gewollt, wir den Grundsatz: Macht geht vor Recht gepredigt (Clausewitz-Bern-

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