Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Ahron Marcus. Rhron Marcus. Von Dr. Julius Möller, Altona z. Z. im Heeresdienst. Am ersten Adar jährte sich der Todestag von Ahron Marcus. Die Tagespresse hat seiner bei seinem Hinscheiden ehrend gedacht. Die jüdischen Wochenschriften brachten mehr oder weniger treffende ausführliche Berichte über das Leben und Wirken des einzigartigen Mannes. Von der Tagespresse war es die Frankfurter Zeitung, welche diese Einzigartigkeit richtig beleuchtete, die darin bestand, daß er mit unvergleichlicher Meisterschaft zugleich die kabbalitisch-chassidische Literatur und dis modernen Wissenschaften beherrschte. Marcus verbrachte ja den allergrößten Teil seines Lebens in Podgorre-Krakau, in ״dem unbeachteten Winkel der Geschichte, wo eine unzerstörbare seelische Kraft eines Volkes pulsiert“ (Ahron Markus Chassidismus Schlußwort). Anfangs der vierziger Jahre in Hamburg geboren, in streng frommen Kreise erzogen, absolvierte er, der wegen seiner Begabung vierjährig aufgenommen wurde, als primus die Hamburger Talmudtoraschule und besuchte dann einige Zeit ein Progymnasium. Zu gleicher Zeit genoß er Unterricht bei einem geistreichen atheistisch gesinnten Lehrer, der den genialen Schüler sehr zu fesseln verstand, und lernte den Talmud bei dem hervorragenden, scharfsinnigen und streng orthodoxen Rabbi Baruch Lipschütz s. A., der in weiteren Kreisen durch seine Mitarbeit an dem Mischnakommentar Tifereth Jissroel bekannt ist. Der glaubenshungrige Jüngling faßte scharf die gewaltigen Fragen auf, die die Natur und Bibel Wissenschaft, auch die Philosophie an den Gläubiger richtete. Vom Zweifel zerrissen, fürchtete er in Deutschland für seine Gläubigkeit. So ging er, statt an die Universität, an die Jeschiwa in Boskowitz. Ein Studiengenosse aus Galizien machte ihn auf den Chassidismus aufmerksam, der seine Seelenwunden heilen könne. Er fand dort, was er suchte. Er studierte die schwierige Literatur mit ungeheurem Eifer, ohne dabei ״im sarmatischen Urwalde“ die Entwickelung der modernen Wissenschaft einen Augenblick aus dem Auge zu lassen. Seine zahlreiclen Arbeiten, deren einziger Zweck es war, die Treue und Erhabenheit unserer Überlieferungen zu beweisen, zeigen die Genialität, mit der er in die Tiefen der verschiedensten Themata einzudringen verstand, mag er nun die Lehren Hartmanns gegen Du Prel diskutieren und dabei sein erstaunliches Eindringen in die schwierigen Fragen der Hypnose und des Soznnamhulismus beweisen *), mag er die Bibelkritik unter die Lupe nehmen') *) Hartmanns induktive Philosophie des Umbewußten im Chassidismus, Teil I. 2) Idem, Teil II.