Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Erziehungsfragen in Ost und West. Pflichtenlebens, der zum mindestens in den Anfängen gleiche Bildungsgang. Aber es ist so, daß das Wort ״a Jid“ wie mit Zaubergewalt den Weg zu jedem .Herzen öffnet. Da die weit, weit überwiegende Masse thoratreu ist und ihr von einer überalen Majorität keine Vergewaltigung dessen droht, was ihr Judentum ist und um dessentwillen es für sie allein lohnt, zu leben, so wird freilich auch nicht der Gegensatz zu dem Abge^ fallenen so stark empfunden und erstreckt sich dies Einheitsgefühl auch auf diese.׳ Es wird in Deutschland kaum möglich sein, das Ge>- meinsamkeitsgefühi in der Stärke, wie es wünschenswert wäre, auf alle Juden auszudehnen. Der Kampf um den Re*- serveleutnant, selbst die notwendige,und sehr verdienstliehe Abwehr gegen& politische Entrechtung, alles sonstige gemeinsame Arbeiten ist nicht ausreichend um das starke Gemeinschaftsgefühl zu wecken, das nur aus dem Bewußtsein erblühen kann, daß man in dem Empfinden für den letzten Endzwreck des Lebens einig ist. Aber wie steht es mit dem Gemeinschaftsgefühl innerhalb des gesetzestreuen Judentums? Da jedes Hineinleuchten in die bekannten Gegensätze nur zu zweckloser Polemik führen kann und zu größerer Verbitterung und eine Besserung nur zu erhoffen ist, wenn die Beteiligten aus der eigenen Erkenntnis in die Notwendigkeit eines gemeinsamen Arbeitens sich zuL sammenfinden, so mag darüber mit Stillschweigen hinweggegangen werden. Aber wir anderen, die wir diese Notwendigkeit erkannt, was haben wir getan? Nach guter deutscher Sitte haben wir eine Organisation geschaffen: die Aguddas-Jissroel. Ich fasse — und ich glaube darin die Gründer recht zu verstehen —י die Agudass-Jissroel nicht als ein blosses Instrument zur Unter- Stützung notleidender Institutionen in der Diaspora und 1m heiligen Lande auf, sondern als ein Mittel, das Einheitsgefühl innerhalb des gesetzestreuen Judentums der ganzen Welt zu stärken, die Glieder, in denen das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit nur schwach sich regt, durch Hebung und Be-