Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zu Wohlgemuth’s Achad-Haam-Artikel.!21 Zu dem Rrtikei von Wohigemuth ״Rchad Haam u. das gesetzestreue Judentum." Von Hermann Struck, Berlin, z. Z. im Felde. In einem Unterstände in Feindesland hat man wohl Muße, viel nachzudenken (wobei der grausame Zauberstab des Weltkrieges uns manches Lebensrätsel zu lösen scheint) aber man hat nicht die Ruhe, wie daheim am Schreibtisch, die unser Hirn durchwogenden Gedanken schön geordnet niederzuschreiben. Dies ist nicht die übliche Entschuldigungsphrase, mit der Artikelschreiber die Emanationen ihres Geistes einzuleiten pflegen; es soll vielmehr nur darauf vorbereiten, daß manches, was im Folgenden gesagt wird, notwendigerweise bruchstückartig anmuten muß. Ich erachte es nicht als meines Amtes, die ganze Abhandlung über Achad Haam in allen ihren Teilen kritisch zu würdigen — ich will vielmehr nur an sie anknüpfen, um zu zeigen, wie selbst ein so klardenkender, warmer und gerechter Jude, wie sein Verfasser, gewissen Fragen gegenüber geradezu blind ist. Sollte diese Blindheit — unserm alten Euphemismus entsprechend — einem Hellsehen entspringen? Sollte Wohigemuth absichtlich vermeiden, auf die starke gesetzestreue Strömung innerhalb des Zionismus einzugehen, so wie nach seinen Worten Achad Haam es vermeidet, auf eigentlich religiöse Grundfragen einzugehen? Mit Freude und Interesse begrüßten die Gesetzestreuen das Erscheinen des Jeschurun, dieses Organs für Lehre und Leben im Judentum. Mit bitterer Enttäuschung sahen wir nationalreligiösen Zionisten, daß unsere Anschauung in diesen Blättern offenbar als nicht zum Leben des Juden1tums gehörig angesehen, d. h. totgeschwiegen wurde. Was Tausenden von jungen und alten Gesetzestreuen Ausdruck ihrer innersten Anschauung ist, davon wird im Jeschurun überhaupt nicht gesprochen?