Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Bücher-Besprechung. nierten Werk solche Widersprüche unterlaufen, so darf es entschuldbar sein, wenn man den Autor einmal psychologisch nimmt. Und das fällt hier nicht schwer. Wer aufmerksam diese Stellen durchliest, gewinnt leicht den Eindruck, das eigentlich die ״Orthodoxie“ die Systematik des Kapitels stört. Und auch das ist leicht verständlich. ״Die orthodoxe Lösung der Judenfrage״ ist ein nonsens, weil eine solche Judenfrage gar nicht existiert. Nicht in dem hiergemeinten Sinn als quälendes Rätsel als alles tragendes Problem. Wohl setzen auch wir uns zur Wehr, wenn man unser Recht uns vorenthält, unsere Lebensmöglich־ keiten untergräbt, das ist aber wirklich Politik und nicht mehr Problematik. So sind wir zu unserem Ausgangspunkt zurückgelangt. Die Judenfrage allerdings die bleibt auch für uns bestehen, aber die jüdisehe Problematik — für die wissen wir Heilmittel: Zuerst ein Judentum und dann die Judenfrage. Bücher-Besprechung. Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz• (Annuaire israelite pour la Suissej. 0677—1916/17. Luzern. 219 Seiten. Zum ersten Male erscheint dieses Jahrbuch, das nur Beiträge von Schweizer jüdischen Autoren enthält. Es will in der gegenwärtigen ernsten Zeit der Volksbelehrung dienen, und diesem Zweck ist es auch sehr gut angepaßt. Neben dem Kalendarium, den Tabellen und statistischen Angaben enthält es eine Reihe von trefflichen Aufsätzen bei ehrender und unterhaltender Art, teils in deutscher, teils in französischer Sprache. Die Einleitung bilden ״Ellul-Gedanken״ von Rahb. Dr. A. Cohn Basel, der dem Leser in seiner eindringlichen, zu Herzen gehenden Art die ernsten Mahnungen der Bußzeit vor Augen führt. Daran schließt sich eine homiletische Betrachtung von Dr. M. Ascher-Neuscbatel 116״ veulent etre libres et ne savent pas etre justes״, der ausführt, wie die Gerechtigkeit im Einzelwie im Staatsleben die einzige sichere Grundläge für den Frieden und iür das Glück der Völker ist. Bemerkenswert ist auch die Abhandlung ״Einerlei Maß‘* von Dr. jur. Marcus Cohn, worin gezeigt wird, wie das Judentum unbedingte Redlichkeit in allen Lebensverhältnissen fordert. Auch die von demselben Antor gegebene Übersicht über die philanthropische Tätigkeit der Schweizer Juden während des Weltkrieges und der Bericht über den Roten Magen David (Religiöse Fürsorge für die jüdischen Kriegsgefangenen) sind von hohem Inte! esse. Daneben enthält das Jahrbuch P eiträge belletristischer, archäologischer und sogar auch medizinischer Art. Es ist also ein Volkskalender im besten Sinne des Woites, und es ist zu wünschen, daß ihm in weiteren Kreisen recht viele Freunde erstehen und daß dadurch sein Erscheinen aueh für künftige Jahre sichergestellt wird. Rahb. Dr. Unna-Mannheim. Druck von Max Schmersow, Kirchhain N.-L. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohigemutü, Berlin. Verlag des Jeschurun, Berlin