Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 11 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 624 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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624 Achad Haam und das gesetzestreue Judentum. die eigentlichen letzten Berater in der Halacha, so auch die steten Mahner besitzen, uns und unsere Kinder ihnen und ihrem Streben nach Menschenmöglichkeit zu nähern. Aber deshalb bleibt es doch wahr, daß auch dort die Gefahr der Assimilation immer größer wird und zweifellos wird der Prozeß der Umwandlung der geistigen Eigenart des osteuropäischen Judentums, der schon vor dem Kriege eingesetzt hat, jetzt immer mehr beschleunigt werden. So ist es auch für uns eine Lebensfrage, daß Vorsorge getroffen wird, ein neues Zentrum zu schaffen, das in unserem Sinne ein geistiges Zentrum wird. Bedarf es der Versicherung, daß auch für uns nur das heilige Land als der geeignete Boden erscheint, wo ein solch geistiges Zentrum, wenn irgendwo, sich mit Erfolg entfalten und in die Diaspora aus wirken könnte. Welch Ausblick in die Zukunft, wenn hier auf eigenem Boden eine jüdische Bevölkerung sitzt, der Erfüllung der jüdischen Gebote hingegeben, unbeengt von einer fremden Gesetzgebung, die diese Erfüllung erschwert, die Muttersprache in den Lauten der heiligen Schrift, in Schulen, denen sie selbst das Pensum bestimmt. Wenn hier alle Formen des höheren Schulwesens im altjüdischen Geiste erstehen, das ganze gekrönt von jüdischen Akademien, von Jeschiwoth, in denen die größten Talmudheroen der Welt lehren, ohne die Störung praktischer Berufstätigkeit.33) 33) Ein kleiner Teil des G-eseliilderten, wenn auch nur ein überaus winziger Teil ist bekanntlich auf dem Boden Palästinas durch die Institutionen der ״Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums“ verwirklicht. Voreingenommene sehen natürlich darin nur, daß ״auch nach Palästina die separatistische Politik getragen worden“ (S. Feuchtwanger, ״Die Judenfrage als wissenschaftliches und politisches Problem“ S. 32). Aber von Achad Haam, der doch vorurteilslos und objektiv urteilen will, hat es uns immer Wunder genommen, daß er bei seinem wiederholten Aufenthalt in Palästina die Gelegenheit nicht öfters wahrgenommen, auch diese blühenden ״Enklaven“ zu besichtigen. Er soll nur einmal, in Abwesenheit des Leiters, der durch eine Inspektionsreise in Anspruch genommen war, die Talmud Thoraschule besucht und sich anerkennend über die Resultate ausgesprochen haben. Vor allem ist uns nicht in Erinnerung, daß er in seinen gesammelten Auf-