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Jeschurun · 1916-11-01 · Heft 11 (November 1916) · p. Seite 622

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 11 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 622 (sequence 32)
Language
German
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622 Achad Haam und das gesetzestreue Judentum. Wir wollen noch weitergehen. Auch seine Grundidee vom ״geistigen Zentrum“ erscheint uns durchaus gesund, und wir glauben, daß auch wir uns nicht der Ver־ pflichtung entziehen können, an ihrer Verwirklichung zu arbeiten. Denn so falsch die Annahme Achad Haams ist, daß der von ihm geschilderte Riß durch die Herzen der altgläubigen Juden geht, so recht hat er mit der Schilderung der Gefahren, die dem westeuropäischen Judentum aus den Einflüssen der Kultur erwachsen, und es ist doch nur eine Frage der Zeit, wann dies auch vom osteuropäischen Judentum gelten wird. Dieser Einfluß ist ein übermächtiger und nur eine Erziehung, die für die Aneignung und Vertiefung des altjüdischen Ideals ein sehr großes Maß von Zeit und Kraft und selbstloser Hingäbe erübrigen kann, bietet halbwegs die Garantie, daß diese Gefahr beschworen wird. Wir dürfen uns durch das beliebte Schlagwort von der Verbindung von תורה und דרך ארץ von Thorawissen und Thoratreue mit weltlicher Bildung nicht beirren lassen. Ebensowenig wie wir in dem Typus des ״Menschjisroel“, den S. R. Hirsch aufgestellt hat, eine Lösung der Schwierigkeit sehen. Was Hirsch wollte, ist klar: eine Synthese des allgemein Menschlichen und spezifisch Jüdischen geben. Ist es aber zu leugnen, daß das Allgemeinmenschliche in der Erziehung den Löwenanteil erhält und daß das spezifisch Jüdische nur allzu kurz kommt. Rein äußerlich macht sich das schon in der geringen Zahl der Stunden bemerkbar, die dem Unterrieht im Jüdischen gewidmet werden können. Aber die Schwierigwertung aller Werte.“ A. S. IS. 252 ff. Wie A. H. da den Radikalen zeigt, wie töricht es ist, den Übermenschen Nietzsche’s als ״blonde Bestie“ zum Ideal des zukünftigen Judentums zu machen und wie andrerseits der rechtverstandene Nietzsche, das, was an seiner Idee nicht spezifisch arisch sondern allgemein menschlich ist, mit der Grundlehre des Judentums in Einklang zu bringen ist, das zu lesen ist ein ästhetischer Genuß. Wir stehen auch nicht an, seine Darstellung von dem jüdischen ״Übermenschen“ dem Zaddik zu adoptieren, auch die von Israel als dem ״Übervolk״ unter der Voraussetzung, daß die ״Entwickelung“ in dem Sinne genommen wird, wie wir sie weiter unten schildern werden.

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