Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- Seite 568 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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568 Charakterbilder unserer großen G-esetzeslehrer. beschert wurde, 1j ist in dem damals üblichen paitanischen Stil geschrieben und mit zahlreichen Zitaten und Hinweisen aus Talmud und Midrasch durchsetzt. Was dieser Polemik Saadias noch besondere Bedeutung verleiht, ist sein Eintreten gegen eine Verunglimpfung des jüd. Volkes den Andersgläubigen gegenüber, durch Hiwi, der übrigens zum Christentum in engsten Beziehungen gestanden zu haben scheint. So wird dem Ketzer, unter anderem, vorgeworfen, daß er die auf die Erwählung Israels bezüglichen Stellen der Bibel dazu benutzt hat, um aus ihnen eine Herabsetzung der anderen Völker seitens des jüdischen Volkes herzuleiten, und dieses somit verleumdet habe. Es war also das Auftreten Saadias zugleich eine Ehrenrettung seines angegriffenen Volkes, die er immerhin nicht ohne Gefahr unternehmen konnte; die Ehre seines Stammes ist dem charakterfesten Mann zugleich die seiner Lehre: eine Bewahrheitung des Wortes: אי[ כבוד אלא תורה. Wenn unsere Weisen zur Bekräftigung dieses Ausspruches das Schriftwort כבוד הבסים ינהלו hinzufügen, so erfüllte sich dies schließlich an Saadia, indem er das anerkannte Oberhaupt der Judenheit durch die Berufung zum Gaon von Sura wurde. Wenn wir die Verhältnisse, die damals bei der Erwählung des Leiters der großen Metibta mitsprachen, in Betracht ziehen, so muß es uns als etwas Außerordentliches erscheinen, daß man, entgegen der sonstigen Geflogenheit, nur einen Gelehrten aus einer der ahronidischen oder davidischen Familien, deren Mitglieder bereits einmal diese Würde bekleidet, und nur einen Mann in bereits vorgerückten Jahren, mit diesem höchsten Amt der Judenheit zu betrauen, — nun einen Fremden, der noch dazu damals erst 36 Jahre zählte, zum Gaon ernannte. Aber der Umstand, daß in Sura kein hervorragender Mann vorhanden war, und die außerordentlichen Verdienste, die sich der junge Meister erworben hatte, bestimmten den Exilarchen David ben Sakkai zu seiner Berufung, obwohl er über die ג) Die uns erhaltenen Bruchstücke sind gesammelt und herausgegeben von Israel Davidson in New-York in den Schriften des dortigen Jewish Theological Seminary.