Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 522 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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522 Unsere Opfer. Reihe unsere auserwählten Jünglinge! Hört ihr sie rauschen, die Ströme Blutes? Eis ist das Leben des Judentums das hier entströmt! Wie?! ״Die Menschenleichen fallen, wie Dung auf freiem Felde, wie die Ähren hinter dem Schnitter, die keiner sammelt“ und wir wollen um Einzelne klagen, um Juden, um deutsche Juden, um die deutschen thoratreuen Jünglinge?! Aber wir vermögen nun einmal nicht unser Schmerzempfinden auf einen allzu großen Kreis auszudehnen, ohne daß es an Stärke einbüßt, wir müssen eine Trauer um Einzelne abhalten, soll das bittere der Wehklage uns zum Bewußtsein kommen. (Jer. 6, 26). Und wo sollte diese mehr einsetzen als bei denen, die unsere Kinder im Geiste waren, die wir mit unserem Herzblut genährt und die uns dafür in unendlicher Liebe vergolten, die kein Wort zur Erde fallen ließen von dem, was sie von ihren Eltern und Lehrern vernommen haben. Jhr kennt die wunderbaren Gestalten, die unsere Freude und Wonne waren und nun Denksteine sind auf dem Leidenswege, den wir seit zwei Jahren wandeln. Wie darf ich Einzelne nennen, wo fast jeder ein Muster war an Charakterstärke und religiöser Treue, wo der eine auf diesem, der andere auf jenem Gebiet schon Großes geleistet, wo eine Reihe schon in jungen Jahren Führer waren der Gleichstrebenden?! So will ich denn nur von Einem reden, weil er, da ich diesen Rückblick auf die letzten zwei Jahre schreibe, das jüngste Opfer ist (0 daß es Gott gefalle ihn zum letzten zu bestimmen!) weil er von allen den lieben und treuen Freunden, die ich verloren habe, durch den von ihm erwählten Beruf mir am nächsten stand und ich darum mehr als bei jedem anderen in seiner Seele lesen konnte und weil er das erste Opfer ist, das der Krieg unter den Mitarbeitern dieser Zeitschrift gefordert. Aber noch einmal, er ist nur ein Typus. Wie oft schon wollte ich der Klage Raum gebyen um das Blut dieser Edelsten, das dahingeflossen, wenn nur nicht der Zug des Todes schier unübersehbar wäre; wie ist es mir Herzensbedürfnis in dem Einem der ganzen verklärten Jünglingsschar ein Denkmal zu setzen