Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 8 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- Seite 462 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Notiz. auf S. 389 heißt es: ״Weshalb fühlt sich der Vf. unseres Buches an keiner Stelle bemüßigt, davon zu sprechen, welch ein eigen Ding der Begriff ״kaufmännische Ehre“ in allen Ländern überhaupt ist .... Diese Angriffe auf die Ostelbier und auf die kaufmännische Ehre’ wären mit Entschiedenheit zurückzuweisen. Wirglauben, daß diese Wendungen, wenn man sie im Zusammenhang liest, nicht zu beanstanden sind. Der Vf. des Aufsatzes dachte offenbar bei dem ersten Satz an die Generalversammlungen des ״Bundes der Landwirte“ im Cirkus Busch; wenn hier Liebermann von Sonnenberg mit seinen Beden gegen die jüdische Fäulnis und Unmoral minutenlange Beifallsstürme auslöste und man dann Tags darauf las, wTie viele Delegierte des Bundes die z־weifeihaften Freuden der Weltstadt bis auf die Neige auskosteten, so ist man leicht geneigt, ihnen zuzurufen, sie möchten gefälligst vor der eigenen Tür kehren. Aber die Ostelbier sind nicht völlig identisch mit dem ״Bund der Landwirte“ und auch den Mitgliedern dieses Bundes tut man bitteres Unrecht, wenn man sie verantwortlich macht für die Verfehlungen des Einzelnen. Eine völlige Verkennung unseres Standpunktes aber wäre es, wollte man annehmen, wir ständen in unserer Gesinnung den ״Ostelbiern“ als Menschen feindlich gegenüber. Empfinden es doch viele unter uns schmerzlich, daß sie mit diesen Männern, mit denen sie in Welt- und Lebensanschauung soviel Berührung«־ punkte haben, wegen ihrer Stellung in der Judenfrage politisch nicht Zusammengehen können. Aber ebensowrenig freilich identifizieren wir uns mit jener Gruppe jüdischer Publizisten, die in der Verunglimpfung der Juden, die Parteigänger des politischen Liberalismus sind, sch'welgen. Es sind dieselben, die s. Z. Sombart zujubelten, als er seine Beden über die Juden hielt. Sombart hat jetzt eine neue Antithese geprägt: ״Händler und Helden“.- Vielleicht wird auch diese Antithese ihren Beifall finden und der jüdische Kaufmann ihnen entsprechend verächtlich erscheinen. Der Vf. des angezogenen Aufsatzes ist jedenfalls über den Verdacht erhaben, dass er dem Kaufmannsstande nicht die gleiche Ehrenhaftigkeit zuerkennen würde, wie jedem anderen Stande. Er hat auch deutlich genug auf S. 390 das ausgesprochen. Wie könnten wir Juden auch nur einen Augenblick daran denken, unser eigenes Nest zu beschmutzen. — Denn schließlich sind wir noch immer keine Ackerbauer, ,Techniker, Arbeiter, Beamte, sondern vorwiegend Kaufleute. Wir sind es geworden unter dem Zwang der Verhältnisse, und es ist wahrlich nicht unsere Schuld, daß wir an den anderen Berufen nicht stärker beteiligt sind. Aber nur diesen ungesunden Zustand der einseitigen Betätigung beklagen wir; aber der Jude darf stolz sein und er ist stolz auf seinen Stand und auf seine kaufmännische Ehre. 1 '1 Druck von Max Schmersow, Kirchhain N.-L. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemut!!, Berlin. Verlag des Jeschurun, Berlin