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Jeschurun · 1916-07-01 · Heft 7 (Juli 1916) · p. Seite 376

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 7 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 376 (sequence 30)
Language
German
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376 Moses Maimonides. statt dessen rief er eine neue riesige Literatur geistiger ״Equilibristen“ hervor, die gewiß nicht in seinem Sinne war. Und der Philosoph Maimonides? Brauche ich zu sagen, daß der Sturz des Aristoteles auch den Sturz des Maimonides bedeutet? Die Sterne der modernen Astronomie haben unendlich an Größe zugenommen, aber die Spektralanalyse hat ihnen die Seelen geraubt. Der Tod der Planeten hat den Tod der ״losgelösten Intelligenzen herbeigeführt“ und den der ״schöpferischen Vernunft“, die die Seele des Menschen mit Gott verknüpft. So liegt der gewaltige Bau des Maimonides in Trümmern. Der Tempel des Sonnengottes in Palmyra war das größte Bauwerk seiner Zeit. Noch in seinen Trümmern ist er so riesengroß, daß eines seiner Seitenschiffe genügenden Platz für den Aufbau einer kleinen Stadt bietet. In Maimonides7 Bau sind gar manche Seitennischen, die Obdach und Rast den ״Irrenden“ unserer Zeit bieten könnten. Ich bin überzeugt, daß ein gründliches Studium der Schriften des Maimonides eine Fülle von Gedanken ans Tageslicht bringen würde, die nach einiger Umformung auch für die Neuzeit von großem Werte sein dürften. Aber mehr noch als hierdurch gibt uns Maimonides Wirken als ganzes eine Lehre von hervorragender Wichtigkeit. Das Problem, das Maimonides ins Auge faßte — die Aussöhnung des Judentums mit nichtjüdischer Kultur — erneut sich mit jedem Geschlecht, besonders, seitdem die Schranken zwischen den Juden und ihrer Umwelt gefallen sind. Das Beispiel des Maimonides lehrt uns, daß das Judentum nichts von fremden Kulturen zu fürchten hat. Die Ideen des zwanzigsten Jahrhunderts stehen nicht weniger in Gegensatz zu unserem Judentum als die aristotelische Auffassung mit dem Judentum des zwölften Jahrhunderts. Und doch sind sie von der jüdischen Lehre in sich aufgenommen und überwunden worden. Das Beispiel des Maimonides zeigt uns auch die Wege und Mittel einer gegenseitigen Durchdringung. Ein wirklicher, dauernder Ausgleich zwischen moderner Kultur und Judentum kann nur von einem Mann bewerkstelligt werden, der auf das

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