Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1916)
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 343 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherbespre drangen. 343 hefte darauf beruht, daß wir ebenso unwissend sind wne unsere Leser und ebenso lernbegierig.“ So schreibt die Redaktion der Süddeutschen Ü onatshefte in ihrem Geleitwort. Wir meinen, wenn das Komitee, das für die Herausgabe dieses Heftes verantwortlich ist, nichts anderes zu Wege gebracht als diese Selbsterkenntnis der Schriftleitung einer Zeitschrift, die den Juden und dem Judentum nie wohlwollend gegenüberstand, so wäre schon das verdienstlich genug. Und darum gebührt diesem Komitee der Dank aller derer, welche die Verkennung und Mißachtung der Ostjuden, dieses Grundstammes der gesamten Judenheit immer schmerzlich berührt. Auch das sei anerkannt, daß die Herausgeber sich redlich bemüht, ein objektives Bild der Verhältnisse zu zeigen, daß Art, Leben und Bedeutung der Ostjuden von ollen möglichen Seiten beleuchtet wird Wenn die Themata, die erörtert werden, nicht erschöpfend behandelt sind, so haben die einzelnen Autoren sich eben eine Beschränkung auferlegen müssen, damit ein Gesamtbild, wenn auch nur in Umrissen, ermöglicht wird. Und doch können wir dies Heft nicht ohne Widerspruch in die Welt gehen lassen, können wir nicht zugeben, daß es in Wahrheit von dem innersten Wesen des Ostjudentums zeugt. Es rächt sich eben, daß die Nationaljuden, die einen so winzigen Bruchteil der Gesamt judenheit ausmachen, es unternehmen, sich der nichtjüdischen Öffentlichkeit gegenüber wiederum als die berufenen Künder der Wesensart des Ostjudentums zu geben. Bis auf zwei, drei liberale Konzessionsschulzen kommen nur Nationaljuden zu Wort. Es liegt uns völlig fern, anzunehmen, daß nicht alle Autoren das ehrliche Bestreben gehabt, die Parteibrille äbzulegen. Aber es kann eben keiner aus seiner Haut. So nimmt denn das, was für die überwiegende Masse der Ostjuden ihr Eins und Alles ist, Lehre und Leben im Judentum, Thoratreue und Thorastudium einen verschwindenden Raum in den Darstellungen ein Kein Zweifel: Weder der ״Chassid“ noch der ״Misnagid“ unter den Ostjuden, noch der gesetzestreue westeuropäische Jude wird ein völlig getreues Bild von jener so vielgestaltigen und die seltsamsten Widersprüche in sich vereinigenden Masse geben können, die man unter dem Sammelnamen ״die Ostjuden“ zusammenfaßt. Aber am allerwenigsten der areligiöse Nationaljude, ebensowenig wie der vom Standpunkt des Ostjudentums irreligiöse liberale Jude. Der Geist, der aus dem Ganzen weht, wirkt erkältend auf jeden, der die lodernde Glut ostjüdischer Religiosität erlebt, der es erfahren, was dem Ostjuden dass Thoragesetz bedeutet. Das können wir hier nicht im einzelnen verdemonstrieren. Dazu müßten wir den ganzen Gedankengang einzelner Aufsätze wiedergeben. Manchmal leuchtet aber die Verständnislosigkeit und Unkenntnis aus einzelnen Sätzen grell hervor. So wenn der Verfasser des Aufsatzes ״Die Bedeutung der