Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1916-06-01 · Heft 6 (Juni 1916) · p. Seite 331

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 6 (Juni 1916)
Date
1916-06-01
Page
Seite 331 (sequence 49)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292955-2292962--01464-2294719
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Eine rabbinische Residenz ־und ibr letzter Fürst. 331 genügte, um die alte Gegnerschaft von neuem zu beleben. Schon beim Leben Rabbi Jizchok Elchonons gährte es in den Parteien; allein, der gütige Rabbi Jizchok konnte einen Zwist ״zwischen den Kindern“ nicht mitansehen. Nach seinem Tode jedoch, bevor Reb Hirsch seine neue Stellung zu festigen ver־ mochte, gelang es unverantwortlichen Hetzereien, diesen Zwist von neuem zu entfesseln. In diesem erbitterten Kampfe wurde Rabbi Hirsch gegen seinen Willen in den Vordergrund gedrängt. Rabbiner und Presse griffen ein in den Streit (vgl. S. Rosenfeld rRabbi Jisroel Salanter, sein Leben, seine Lehre, seine Schüler*, (hebräisch) Verlag Tuschijah, Warschau). Viele von den ״Aufgeklärten“ stellten sich an die Seite der Moralisten, nicht ausLiebezu ihrer streng frommen Lehre, vielmehr aus Sympathie für die Menschen, die um ihrer Erkenntnis willen leiden sollten, und mit der offenen Absicht, auf diese Weise das litauische Rabbinertum, das sich jeder Neuerung widersetzte, an seiner verwundbarsten Stelle zu treffen. Nachdem es allerhand Intriguen gelungen war, den arglosen Reb Hirsch in diesen Streit hineinzuziehen, fanden die Gegner in diesem Umstand neuen Zündstoff. Denn sicher fehlte es nicht an solchen, die längst mit scheelen Augen auf die Kownoer Vorherrschaft sahen . . . Jetzt aber fühlten auch einige Mitläufer der Moralisten sich veranlaßt, gegen den Kownoer Raw Stimmung zu machen, um so die Gegner ihrer Partei zu bekämpfen. — Eine ganz überflüssige Arbeit, da doch einem Mann wie Reb Hirsch, dem Aristokraten des Geistes, jedes Gefühl des Hasses wesensfremd war, dem doch nie die Person, sondern stets die Idee, die Sache galt. Mir persönlich ist noch in lebhafter Erinnerung: Als ich vor 11 Jahren Rabbi Hirsch meinen Dank aussprechen wollte dafür, daß er mir, einem bekannten Anhänger der Moralisten, meine erste Rabbinerstelle verschafft hatte, erwiderte er mir: ״Bei mir gibt es keine Sektenliebe; ich kenne nur die Thoraliebe“. Als wir in unserem Gespräch auf die Moralisten kamen und ich Rabbi Hirsch auf den Idealismus und die Opferbereitschaft der Moralisten für ihre Sache hinwies? sagte er mir: ״Beim Opferbringen gilt die Regel, daß es durch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.