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Jeschurun · 1916-06-01 · Heft 6 (Juni 1916) · p. Seite 321

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 6 (Juni 1916)
Date
1916-06-01
Page
Seite 321 (sequence 39)
Language
German
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Eine rabbinische Residenz und ihr letzter Fürst. 321 Untergang einer alten Kultur, der Todeskampf einer Religion. Denn, so sagt ein englischer Geschichtsphilosoph: Verschwindet sie, hört alles Leben auf, das ist der Tod, der absolute Tod. Jede Religion, ganz gleich, welche es sei, war doch zu ihrer Zeit eine Quelle des Glückes für einen gewissen Teil des Menschengeschlechts. Das Herz der Menschen hing an ihr, von ihr und zu ihr pulsierte das Leben ihrer Seelen. Wie furchtbar ist die Tragödie eines solchen Todes, denn eine Religion stirbt und wird zu Grabe getragen, ohne daß jemand den Sarg geleitet. Und hier noch mehr wie bei einem Einzelwesen ist der tragischste Moment nicht der Untergang sondern das Untergehen, nicht das Ende selbst sondern das langsame Herannahen dieses Endes. Nicht nur auf eine Religion, nein, auf jede historische Kulturerscheinung, auf jedes Ideal, das lebenschaffend und lebengestaltend unter den Menschen waltet, trifft dies zu. In unserer jüdischen Geschichte haben wir viele Tragödien solcher Art zu verzeichnen. Freilich — unsere Religion ist mit ewigem Leben gesegnet; von Gott selbst geschützt, hat sie den Todesengel nicht zu fürchten. Aber viele Kulturwerte und -Formen, ganze geistige Welten von eigentümlicher Art und Sitte haben wir im Laufe unserer Geschichte verloren. Unsere Religion hatte oft das Unglück, ihren Wohnort wechseln zu müssen. Nicht nur in Erez Jisroel — bei der ersten und zweiten Zerstörung — nein, auch im Exil mußte sie den Untergang so mancher Kultur überleben, in Babylonien, in Spanien, in Frankreich, in Holland, in Deutschland, in Polen. Und reiche Werte ließ sie jedesmal zurück. Mit der ersten Tempelzerstörung — das Prophetentum, mit der zweiten — das Synhedrion und darauf das Tanaitentum; in Babylonien zuerst das Amoräertum und später das Gaonat. Welche Verluste das Judentum durch die Vertreibung aus Spanien erlitten hat, braucht kaum erwähnt zu werden. Das spanische Judentum, dieses innerlich und äußerlich fruchtbare und glanzvolle, ich möchte fast sagen: echt jüdische Judentum wie es Rambam, Samuel Ha-Nagid, Juda Halevi, Abarbanel uns verkörpern, kehrt für uns — ich fürchte —

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