Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 3 (März 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 158 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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i58 Gustav Meyrinks Roman ״Der Golem“. menschlein nicht auch nach meiner Pfeife tanzen? Man lese nur die Schilderung des Tanzabends bei Loisitschek, ein Bordell im Ghetto! eine hexensabbatartige Szene, wie sie ein Felicien Pops und Paszin mit dem Pinsel nicht drastischer geben könnten; oder die köstliche, unerhört vernichtende Satire von dem Universitäts-Rektor Dr. Halbert und seinem Verbrecherstab, dem famosen ״Bataillon“. Gewiß, das mag für den unbeteiligten christlichen Leser ganz witzig und unterhaltsam zu lesen sein, auch für uns Juden — wenn nur ״der Narr nicht unser“ wäre, wenn nicht die Juden fast allein die Zeche zu bezahlen hätten. Die Juden-Verbrecher sind die Drahtzieher all dieser Herren Christen-Verbrecher. Wie weiß doch der Verfasser die nichtjüdischen Verbrecher-Gestalten mit liebenswürdig-streichelndem Humor, gleichsam Wohlwollend־papalich zu behandeln, bei den jüdischen Gaunern, die fast trottelhaft verbrecherisch gezeichnet sind, ist dagegen das Element des Humors ganz ausgeschaltet! Uber dieses unerquickliche Ensemble hilft uns Juden auch die Gestalt des Golem nicht hinweg, er, der doch als Verherrlichung des Judentums, als Verkörperung der Tragik und mystischen Sehnsucht in ihm gelten könnte. Der Golem ist kein Jud und kein Christ, überhaupt kein Mensch mit verantwortliehen Sinnen. Wir können uns mit einem Wort des Eindrucks nicht entsehlagen: Meyrink hat mit zweierlei Maß gemessen. •א¬ * * Dies sind unsere Ausstellungen an dem Werke. Wir hielten uns als Juden für verpflichtet, diese Einschränkungen zu machen, zumal da gerade von jüdischer Seite für des Werkes Verbreitung so viel geschieht. Daß es trotz aller Ausstellungen ein grandioses, von starkem intuitivem Schauen zeugendes Buch ist, von teilweise dämonischer, atemraubender Spannung und zugreifender Gegenständlichkeit (man lese z. B. Pernaths nächtlichen Gang zum Golem in der Altneu-Synagoge), das sei uneingeschränkt zugegeben, das ist ja in den Tages-