Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 115 (sequence 51)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2292955-2292958--01242-2294493
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Jeschiwoth in Rußland. *15 Jeschiwoth war ein spezieller ,.Moralunterricht“ (״למוד המוסר״) obligatorisch, und trotzdem der ganze Tag dem Talmudstudium gewidmet war, während der Moralunterrieht nur wenig Zeit in Anspruch nahm, trugen diese Anstalten doch das ideale Gepräge der Mussarbestrebungen Rabbi Israel Salanters. Dieser .,Moralismus״ war freilich nicht mehr das, was er ursprünglich, bei Lebzeiten seines Schöpfers, bedeutete. Rabbi Israel hatte seine Lehre nicht zu Papier gebracht *), sondern sie mündlich seinen Schülern überliefert, die sie nun je nach ^Neigung und seelischer Veranlagung verschieden auffaßten und deuteten. Durch spätere Anhänger dieser Lehre, denen das Verständnis gerade ihres tiefsten Gehalts abging, erfuhr sie eine Erweiterung und Verästelung nach verschiedenen Riehtungen hin und artete allmählich in eine Menge von unterschiedlichen, vielfach auch recht sonderbar anmutenden ״ Systemen״ aus, die als Gemeinsames nur die Bezeichnung ״מופר״ aufzuweisen hatten. Dessen ungeachtet hat sich der ״Mussar״ in sämtlichen Jeschiwoth durchgesetzt. Fast in allen läßt man der Morallehre eine besondere Pflege angedeihen. In letzter Zeit wurde der Moralunterricht auch in der alten Jeschiwa zu Mir eingeführt. Woloschin allein ist seiner Überlieferung treu geblieben und lehnt den ״Mussar״ nach wie vor ab. — Wenn wir die Jeschiwa zu Slobodka-Kowno und die anderen erwähnten Thoraanstalten mit der Jeschiwa zu Woloschin vergleichen, dann ergeben sich bedeutsame Unterschiede. Im Unterschied von den anderen Jeschiwoth wird in Woloschin auch Bibelunterricht erteilt. Rabbi Chajim selbst, der Gründer dieser Anstalt, pflegte den Jeschiwajüngern täglich einen Abschnitt aus dem Pentateuch vorzutragen, und diese Einrichtung blieb auch in der Folgezeit bestehen. Die Talmud traktate wurden ordnungsgemäß durch ge nommen, man begann mit Berachoth und schloß mit N־־:’.dah. In Slo- *) Abgesehen von einigen fragmentarischen Publikationen, wie *-אגרת המוסי" einige Aufsätze in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift ״התבונה״ wie auch einiger von seinem Schüler R. Izchak Blaser nach seinem Tode veröffentlichten Briefe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.