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Jeschurun · 1916-02-01 · Heft 2 (Februar 1916) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 2 (Februar 1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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66 Deutschland und die Ostjudenfrage. Brauchbares zu verwandeln oder gar Schädlinge unschädlich zu machen. Erst wenn feststeht, daß die Ostjuden in ihrem Charakter und ihren Fähigkeiten es mit jedem anderen der Kulturvölker aufnehmen können, erst dann erscheint die Forderung berechtigt, diese Kultur unangetastet zu lassen und sie als gleichwertigen Faktor in den Dienst der Menschheitsentwickelung zu stellen. I. Was sind die Ostjuden ihrem Charakter nach? Die deutsche Regierung, in deren Händen doch nun einmal die Entscheidung liegt, ist viel zu klug, als daß sie — nach den! Beispiel jenes Engländers aus dem Lesebuch — ihre Erfahrungen, die sie mit Einzelnen, besonders unter so außergewöhnlichen Umständen, wie sie die Kriegslage mit sich bringt, gemacht hat, verallgemeinern möchte. Aber sie käme in Verlegenheit, wenn sie sich orientieren wollte. Ihr wird von Einzelnen, die ihr Urteil auf Grund von Erlebnissen in einer durch die Not zur Verzweiflung gebrachten Bevölkerung fällen, mitgeteilt, daß die Ostjuden Betrüger und Kuppler sind. Aber da erinnert sie sich, daß sie von dem Gouverneur von Puttkamer, der ihren Kreisen doch näher steht, im ״Tag“ zwei Artikel gelesen, die Erfreuliches über diese Juden zu berichten wissen. Und von Puttkamer berichtet auf Grund eigener langjähriger Erlebnisse, während jene anderen sich auf Mitteilungen von Soldaten und Offizieren im Felde berufen. Wem soll sie glauben und wie soll sie sich unterrichten? Sie soll nicht die Feinde fragen und nicht die Freunde, die einen sind vom Haß verblendet und die anderen von der Liebe. Sie soll die Ostjuden nicht selbst fragen, denn sie können nicht in eigener Sache aussagen. Sie soll auch nicht die deutschen Juden fragen, denn dem einen Teil ist die Seele und der Charakter der Ostjuden so fremd wie nur die irgendeines Stammes in Afrika, und der andere Teil könnte in den Verdacht kommen, daß er aus jüdisch-nationalen oder religiösen Beweggründen idealisiert. Aber sie kann die Werke eines Mannes nachlesen, der sein ganzes Leben der Durch-

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