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Jeschurun · 1915-12-01 · Heft 12 (Dezember 1915) · page 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 12 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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86 ר Bilder aus!Littauen. deutsche Verfolgung bis nabe an Grodno heran. Die russischen Behörden schnüren die Bündel. Auf nach Minsk, nach Moskau. Und ihr Juden kommt mit. denn der Deutsche schont keine Stadt! Kein Haus bleibt stehen, keine Wohnung unausgeraubt. Die Deichen, die -Forderungen an den russischen Staat oder groiie Handelsverbindungen mit dem Innern haben, leisten der Aufforderung Folge. Aber die eigentliche Gemeinde bleibt, zurück in angstvollem Bangen. Sabbat vor Purim. Schon seit Tagen ein ewiges .Donnern der Geschütze, die Scheiben klirren, der Boden unter den Füßen wankt. Die große Schul ist gedrängt voll. Heute finden sie alle den Weg zu ihrem Schöpfer wieder; auch die. die allerdings dem Gebot des Gouverneurs folgend, ihre Läden sogar an Roschhaschanah und Jomkippur offen hielten. Sochaur klingts in die Ohren der Andächtigen. Eigentlich sollte es ihnen doch eine Beruhigung sein, das Gedenken, daß Amalek, der die Schwachen und Kranken hinterrücks würgte, der Vernichtung preisgegeben ist. Aber die Mär von dem deutschen Barbarismus hat monatelang die Gemüter bedrückt, solange bis die Suggestion gelungen. — Das Höllenorchester setzt mit erneuter Kraft ein. Reb Mansche Jehudoh betritt die Kanzel. Jedes seiner Worte ist ein Schrei zum Schöpfer, die Gemeinde, die Schwachen, Gebrochenen zu schonen: Gedenke was uns schon von den Eigenen des Landes geschehen ist und verschone deine Kinder vor den Greueltaten des Feindes! Und wenn du מפגי חטאינו zu strafen beschlossen hast, laß mich nicht sehen das Elend meines Volkes! Nimm mich hinweg und erhalte ihnen Leben und Gut! רבונו של עילם — — — Eine Ohnmacht umfängt den jugendlichen Greis, draußen donnern die Geschütze die Fortsetzung seiner Rede. Am anderen Morgen beweinte Grodno den Tod des Besten in der Gemeinde. Am Schuschan Purim die לריח. Der Kommandant, von dem herben Verlust benachrichtigt, warnt vor einem großen Leichenbegängnis in Rücksicht auf die deutschen Flieger. Aber ganz jüdisch Grodno trotzt der Gefahr, ein unendlicher Trauerzug folgt der gefallenen Krone seines Hauptes.

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