Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutsche Treue und jüdische Treue. 541 wollten, man könne das liberale Judentum, dies Bekenntnis eines kleinen Bruchteils der Judenheit als das Judentum ansprechen — die Beziehungen, die von Cohen aufgezeigt werden, sind so gesucht, so seltsam, daß man vor dem ganzen Buche wie vor einer Unbegreiflichkeit steht1). Auf der anderen Seite wird es ebensowenig gelingen, von rein nationaler Betrachtungsweise aus die Eigenart des Juden zu bestimmen. Von unseren Feinden sind uns seit uralten Zeiten bestimmte Fehler angedichtet worden. Wir haben uns mit Recht dagegen gewehrt. Aber ebenso aussichtslos ist der Versuch, der Gesamtheit aller Juden — wenn man. worauf wir später zurückkommen, ihr religiöses Verhalten ausschließt — eine besondere Tugend zuzusprechen. Von den portugiesischen Juden in Frankreich, die daraus besondere Ansprüche ableiten wollten, bis auf Treitsehke und Chamberlain hat man zwischen den Juden, die aus Spanien abstammen und den osteuropäischen Juden in bezug auf äußere Erscheinung. Charakter und Gebaren eine strenge Scheidewand gezogen, wobei alle zu dem für die Cohensche Beweisführung, nach der das deutsche liberale Judentum die Blüte darstellt, niederschmetternden Resultate kamen, daß das deutsche Judentum ein Ableger des osteuropäischen ist. Sicherlich ist an dieser Unterscheidung etwas Wahres. Man müßte blind sein, wollte man das nicht anerkennen. Aber dieser Unterschied ist ja nur ein Beispiel für die vielen Trennungsmerkmale, die man an den Juden aller Länder feststellen kann. Wer könnte es bestreiten, daß der russisch-polnische Jude in seinem Durchschnittstypus sich י) Es kann nicht hier unsere Aufgabe sein, den Nachweis im einzelnen zu erbringen. Wir verweisen da auf die eingehende und trotz der Höflichkeit in der Form in der Sache vernichtende Kritik in dem Artikel: ״Deutschtum und Judentum“ Frankfurter Israelitisches Familienblatt No. 41 und No. 46. Wiewohl der Vf. Cohens Buch vom Standpunkt des Nationaljudentums behandelt, können wir ihm in den meisten Einzelheiten, zustimmen. Auf einiges haben auch wir schon oben hingewiesen. Wenn möglich, wollen wir auf das Buch, vor allem auf die Beurteilung Mendelssohns durch Cohen noch einmal in dieser Zeitschrift zurückkommen.