Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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538 Deutsche Treue und jüdische Treue. gleiche geblieben im Guten wie im Bösen. Und dieser Grundzug ist: Starrköpfigkeit und Treue, beide Licht- und Schattenseite einer einzigen Eigenschaft. Wir halten es für überflüssig, das näher auszuführen und beweisen zu wollen. Das ist der Zug, der allen Germanen eigen ist, zu denen freilich ebenso die Skandinavier, die Hol-!ander und Vlamen, die Deutsch-Schweizer und Deutseh-Österreicher zu zählen sind. Ihre eigenen Wohnsitze nach Boden und Klima haben die einzelnen Zweige mannigfach beeinflußt, die Verschiedenheit des Bekenntnisses hat sie verschiedentlich gemodelt, ihre Zugehörigkeit zu einem größeren oder kleineren Staatswesen ist nicht ohne Eindruck gewesen, aber dieser Grundzug ist der gleiche geblieben. Das Spröde. Zurückhaltende, Schwerzubezwingende. Sichabsondernde auf der einen Seite und das starre Festhalten an dem nun einmal nach der Selbstüberwindung Erwählten, ob es nun eine Persönlichkeit oder eine Idee ist, nach der anderen Seite. Alle Versuche, das deutsche Wesen auf eine Formel zu bringen, wie sie vor Allem in letzter Zeit unternommen wurden: ״Deutsch sein heißt eine Sache um ihrer selbst willen tun“ die Wahrhaftigkcit und Ehrlichkeit, das Pflichtbewußtsein, sie alle lassen sich auf den einen Grundzug zurückführen, den der Treue.: Von Tacitus bis auf unsere Tage klingt das Lied von der deutschen Treue. Und das Empfinden aller Völker und aller Zeiten, das nicht von deutscher Tapferkeit und deutschem Geist, sondern stets und überall von deutscher Treue als einem ganz besonderen gesprochen, dies Empfinden wird schon das Rechte getroffen haben. Einen schönen Beleg haben wir in der deutschen Nationalhymne die doch am ehesten die Eigenart eines Volkes wiederspiegelt. Die französische — die Marseillaise, ein Gedicht von wunderbarer Kraft und erhabenem Schwung, gipfelt in dem Wort: ״Le jour de gloire est arrive“. Der Ruhm, das ist für den Franzosen das Höchste. Aber für den Deutschen heißt es: ״Fest steht und treu die Wacht am Rhein1).“ 1j Es bedarf wohl kaum des ausdrücklichen!Hinweises, daß die ״Wacht am Rhein״ die wahre Volkshymne ist und das ״Heil dir im