Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 11 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2. Jahrgang November 1915 ־־Kislew 5676 Heft 11. (Segen den fisthetkismus. Fünfzehn Monate des Krieges liegen hinter uns. Dem denkenden Menschen von ernster Lebensauffassung ist?s, als ob ebensoviele Jahre, ja als ob ein ganzes Menschenalter seit dem Ausbruch des Krieges verflossen. Wir alle, auch die, welche nieht ein persönliches Leid getroffen, haben in dieser kurzen Spanne auch innerlich soviel erlebt, wie nur ein an Stürmen reiches Menschenleben an Erfahrungen sammeln kann. Und wie der Einzelne, wenn ihm Religion und Sittlichkeit mehr als Worte sind, Schmerz und Trauer eines vom Unglück heimgesuchten Lebens nur dann mit der rechten Ergebung tragen wird, wenn er in allen Schickungen nur Mittel sieht zu seiner Läuterung, so kann auch die Menschheit, die jetzt im Tale des Todesschattens wandelt, nur dann das Problem des über sie hereingebrochenen Leids überwinden, wenn dies Leid nicht eine Episode, sondern ein Markstein in ihrer Entwickelung bedeutet, ein Durchgangspunkt zu einer höheren Stufe sittlicher und religiöser Bedeutung. Es wäre töricht, Voraussagen zu wollen, was sein wird,, welche Lehre die Völker aus diesem Kriege für ihre Stellung zur Religion einnehmen werden. Es wäre auch vermessen, wollten wir es unternehmen zu schildern, was war und was ist, der Gesamtmenschheit eine Zensur auszustellen, wie tief sie in der Zeit vor dem Kriege gesunken und wie sehr sie in den Prüfungen sich erhoben. Nur unter einem Gesichtspunkte zu 32