Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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^escßurun Oktober 1915 2. Jahrgang Heft 10. Marcheschwan 5676 Optimistische und pessimistische Weltanschauung. Von Dr. Isak Unna, Rabbiner in Mannheim. Durch die Geschichte der denkenden Menschheit zieht sich seit uralten Zeiten der Gegensatz zwischen optimistischer und pessimistischer Weltanschauung. Der Widerspruch zwischen Ideal und Leben, zwischen dem Sehnen des Menschenherzens und der rauhen Wirklichkeit hat von jeher in vielen Gemütern eine pessimistische, weitabgewandte Stimmung und Lebensbetrachtung erzeugt; es hat aber auch nie an Richtungen gefehlt, die trotz der Macht des Bösen und der Sünde an der Überzeugung von dem endlichen Sieg des Guten unerschüttert festhielten. Ereignisse wie der gegenwärtige Krieg müssen notwendig die Menschheit auf Generationen hinaus in ihrem Fühlen und Denken beeinflussen. Gewiß wird es für die Gemütsverfassung der einzelnen Völker von größter Bedeutung sein, wie das große Ringen enden wird; für die einen wird der Ausgang eine Quelle nationaler Erhebung und Begeisterung werden, für die anderen wird er neben der politischen und wirtschaftlichen Depression auch eine Beeinflussung des Gemütslebens in pessimistischer Richtung bringen. Aber die Erscheinungen des Krieges an sich sind geeignet, ganz allgemein bei dem denkenden Betrachter eine pessimistische Stimmung auszulösen. Die unerhörte Ausdehnung dieses Krieges hat auch ein nie gesehenes Massenelend zur Folge: Die bei der modernen Art der Krieg- 28