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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 84)
Language
German
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424 Das Fasten als Mittel zum Wohltnn. Das Fasten als Mittel zum Wohltun. Von Rabbiner Dr. M. Lewin, Wreschen. Auf Grund eines Bundesratsbeschlusses wird jetzt in unserem Vaterlande über die Kriegswohltätigkeit die staatliche Kontrolle ausgeübt. Zweifellos werden es gewichtige Gründe sein, die zu diesen Maßnahmen geführt haben. Die Wohltätigkeit an sich soll gewiß nicht beschränkt werden. Es gilt nur, ihre Mittel und Wege wie ihre Zwecke und Ziele zu überwachen. Die schönste und edelste Seite menschlichen Segenswirkens soll nicht durch unwürdige Werkzeuge oder unlautere Mittel herabgewürdigt und entweiht werden. Solche Gedanken mögen R. Eleasar vorgeschwebt haben, als er den Ausspruch getan (Sukkot 49b):;אין:צדקדז בלעתבלעח אלא לפי חסד עיבד Der Grad der Wohltätigkeit wird nur nach der Liebe bestimmt, die auf sie verwendet wurde.“ Es ist schon oft getadelt worden, daß Konzerte, Aufführungen, Vereinsfeste veranstaltet werden im Dienste der Nächstenliebe. Die Absicht ist gewiß in vielen Fällen eine edle. Wieviel verliert aber auch das Wohltun in seinem Werte, wenn es zum Schaugepränge wird. Vor allem aber dadurch, daß ihm vieles vom Egoismus anhaftet, der doch gerade durch die Betätigung der Nächstenliebe überwunden werden soll. Bedeutsam ist hierfür ein Ausspruch, der uns die Anschauung unserer Alten über die rechte Art des Wohltuns veranschaulicht. Im Traktat Berachot 6b lesen wir als Ausspruch des Mar Sutra: אגדאמ דת״ככיחא צדקרזא. Der Lohn des Fastens ist das Wohltun.“ Dieser Satz will gewiß, wie Baschi zur Stelle andeutet, zunächst auf die schöne Sitte hinweisen, daß immer nach einem Fasttage an die Armen Naturalgaben verteilt wurden (Sanhedrin 35 * Maimonides Mathn. Anijim 1X4 und Jore Dea 256,2). Der Fasttag richtig genützt und als Tag der Buße und Einkehr gewertet stimmt denMenschen mild und macht sein Herz viel empfänglicher für den Notschrei des Bedürftigen. Darum erwarten nach unserem Aus- Spruche die Armen gerade nach einem solchen Tage, zumal er in ihnen selbst das Verlangen und Sehnen nach Liebe gesteigert hat, das Liebeswirken ihrer glücklicheren Nebenmenschen, und so ist der Fasttag der Weg, der zum Wohltun führt. Wer selbst den Hunger gespürt hat, der wird sich viel schneller auf den besinnen, der nicht nur einmal darbt und nicht nur an den vorgeschriebenen Tagen in Entbehrung und Entsagung auf das Notwendigste freiwillig Verzicht leistet. Das ist der Erfolg des Fastens der den Menschen das Herz öffnet. Nach der Meinung unserer Lehrer blüht die Blume der Liebe am schönsten dort, wT0 man sich selbst bescheidet,

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