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Jeschurun · 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · page 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 5 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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Noch einmal Lev. XXII, 23. 243 sehen Exegese ist durchaus zwischen der Methode der Auslegung und ihrem M oti.v zu unterscheiden. Die Methode setzt sich sehr häufig über den grammatischen und stilistischen Sinn des Bibelverses hinweg. Aber das Motiv der Auslegung ist immer ein logisches. Wenn also Herr Dr. Deutsch annimmt, die Deutung des in Frage stehenden Satzes beruhe darauf, daß die Überlieferung den betreffenden Satzteil doppelt genommen habe, so mag seine Annahme zutreffend sein. Aber die Wahrheit ist, daß diese Exegese durch das logische Motiv bestimmt ist, welches ich angegeben habe, daß nämlich der Satz nur von Altargaben spricht, Woraus logisch folgt, daß für andere Tempelzwecke fehlerhafte Tiere erlaubt sind. Das Nämliche trifft für alle oben zitierten Stellen zu. Es wird genügen, dies an einigen wenigen Beispielen zu beleuchten, Wenn die Halacha auf den Satz: ״Dein Geld gib ihm nicht um Zins und um Wucher gib ihm nicht deine Speise“ die von Herrn Dr. Deutsch zitierte grammatisch unmögliche Exegese anwendet, so ist sie dennoch damit dem Satz gerecht geworden, weil ihr Motiv ein logisches ist, daß nämlich sowohl bei Geld wie bei Speise beides verboten ist, Zins und Wucher. Wenn in dem Satze 2 B. M, 21. 34 die Halacha das Wort ודזכלוז entgegen der Grammatik zum Vordersatz zieht, so liegt dieser formell ungrammatischen Methode das innere Motiv zugrunde, daß der fahrlässige Schädiger logischer weise das Eigentum dem Besitzer zurückzuerstatten hat. Mit anderen Worten: in allen diesen Fällen ist das innere logische Motiv der Überlieferung das Primäre, die formelle Exegese dagegen das Sekundäre. Auf alle Einzelheiten der Darlegungen des Herrn Dr. Deutsch einzugehen, verbietet der Raum. Nur das Wichtigste: Auf das Unwahrscheinliche der Annahme, daß Onkelos das Wort 1 אררר, B. M. 49,7 auch mit dem voraufgehenden Satz verbunden habe, hat bereits כתיכדל לגר z. St. hingewiesen. Daß Ibn fsra 5. B. M. 16,5 den Ausdruck דבירם לשביעי doppelt genommen hat, erscheint völlig ausgeschlossen. Er pflichtet vielmehr der überlieferten Exegese, daß unter den ״sechs Tagen“ die sechs letzten Tage zu verstehen seien, bei, wobei allerdings dahingestellt bleiben kann, ob diese Zustimmung nicht in Wirklichkeit eine versteckte Polemik ist. Er sagt, daß der siebente Tag nicht außerhalb, sondern innerhalb der ״sechs Tage“ liegt und begründet dann, warum es trotzdem ״siebenter“ und nicht ״sechster“ Tag heißt. Für die vielfachen Anregungen, welche die kenntnisreichen Darlegungen des Herrn Dr. Deutsch enthalten, werden ihm die sachkundigen Leser zu Dank verpflichtet sein. Rabbiner Dr. S. Kaatz-Hindenburg O.-S.

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