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Jeschurun · 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 5 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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230 Charakterbilder unserer großen Gesetzlehrer. Innehaltung der religiösen Vorschriften zu entnehmen. So wurde die Zusammenstellung der Vorschriften nach dem Stande der bisher gewonnenen Ergebnisse zur zwingenden Notwendigkeit. Da nun Jehudai, des Augenlichtes beraubt, nicht selbst an ein solches Werk gehen konnte, so ließ er von seinen Schülern kurzgefaßte halachachische Bestimmungen niederschreiben, die den Namen הלכות פסוקות oder קטועות ,קצובות führten. Sie sind in dem aramäischen Idiom des Talmud geschrieben, wovon später hebräische Bearbeitungen angefertigt wurden. Diese halachisehen Schriften gaben die Grundlage für eines der wichtigsten Werke der talmudischen Literatur, die sogenannten Halachot Gedolot (הלכות גדולות). Wir besitzen von diesen eine von Simon Kajjara (c. 825) zusammengestellte Bearbeitung, die bei den Geonim, in Nordfrankreich und Deutschland Verbreitung fand, während eine andere Rezension des Werkes in Spanien, Italien und Südfrankreich im Umlauf war. Die Veröffentlichung der letztgenannten Fassung verdanken wir dem unvergeßlichen R. Esriel Hildesheimer s. A. Von Jehudai besitzen wir auch eine größere Anzahl von Responsen (שו״ת), die sich über die verschiedensten Teile des Rituals und des Rechts erstrecken. Einiges hieraus sei besonders hervorgehoben: Wenn man die Wahl hat zwischen einem nicht durch besondere Kenntnisse ausgezeichneten, aber über eine schöne Stimme verfügenden Vorbeter und einem solchen mit ausreichendem Verständnis der Gebete, aber ohne gesangliche Begabung, so ist der letztere unbedingt vorzuziehen. Eine besondere Sorgfalt wendete R. Jehudai der Einschärf־ ung des Tefillingebotes zu. auf dessen hohen sittlichen Wert er hinweist. Er ist auch die erste halachische Autorität, die aus einer Andeutung im Midrasch die gesetzliche Vorschrift für den Vater herleitet, bei Erreichung des 13. Lebensjahres seitens des Sohnes die Dankesworte ברוך שפטרני zu sprechen. In seinem Streben, auf das Volk erzieherisch einzuwirken und es mit einem charaktervollen Ernst der Gesinnung zu erfüllen, wollte Jehudai auch der leichtfertigen Art, Gelübde und Schwüre auszusprechen, dadurch steuern, daß er deren Lösung auch durch

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