Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Probleme der Pentateuchexegese. 219 Die Verbindung zwischen den dem P zugeschriebenen Teilen und den angeblich dem J angehörenden ist aber auch in unserem Berichte durch verschiedene Sätze so deutlich sichtbar, daß man ohne Hilfshypothesen die Einheit von P und J zugestehen müßte. Jene Hilfshypothesen bestehen darin, daß man stets die den Kritikern anstößigen Stellen einem Redaktor oder Glossator auf Rechnung stellt, zumeist bloß aus dem Grunde, weil sie der Kritik im Wege stehen. Auf diese Weise hat zur Gen. S. 54) mit Beifall aufgenommen wird. Hiernach soll die Lücke, die in den J-Stücken zwischen 6,8 und 7,1 vorliegt, in folgender Weise rekonstruiert werden. Es wurde da zuerst berichtet. JV erschien dem Noah und befahl ihm, ein ungeheures Schiff zu bauen, ohne über den Grund des Baues ein Wort hinzuzufügen. Das war eine schwere Gehorsamsprobe für Noah. Ein Schiff auf trockenem Land?! Noah aber bestand diese Probe und erbaute das Schiff. Da erschien ihm JV zum zweiten Male und belohnte seinen Gehorsam: Dieses Schiff, das du so scheinbar wider alle Vernunft, nur mir gehorchend, gebaut hast, bestimme ich jetzt, dich in der kommenden Flut zu erretten! So Budde und Gunkel. Es erscheint überflüssig, dieses Fantasiegebilde zu beur teilen. Bloß dasjenige, was Gunkel zur Stütze für diese ״Rekonstruktion“ beibringt, sei in seiner Hinfälligkeit gezeigt: ״Der parallele Abschnitt bei P (6,13 — 22) ist ganz ähnlich disponiert! 1) Gott befahl Noah, die Arche zu bauen (14 —16), und erst 2) redet er von ihrem Zweck und der Sintflut (17 — 22). Diese wunderliche Disposition, die der Natur der Sache nicht entspricht, erklärt sich nur daraus, daß P hier den Gang der Erzählung aus seiner Vorlage übernommen hat; diese Vorlage muß also J sehr nahe verwandt gewesen sein.“ So weit Gunkel. Allein die Disposition in Gen. 6,13 — 22 erscheint nur dem wunderlich, der die Stelle nur aus dieser Gunkelschen Darstellung kennt. Wer den Text in der Gen. liest, findet alles in schönster Ordnung. Gott eröffnet erst dem Noah, daß er alle Menschen wegen ihrer Frevel verderben will (6,13)• Hier kann Gott noch nicht sagen, er wolle die Menschen durch eine Wasserflut vertilgen (6,17), weil er ja da sofort hätte hinzufügen müssen; daß Noah und die Seinen durch den Eintritt in die Arche beim allgemeinen Verderben Bettung finden werden (6,18). Bevor aber von der Arche gesprochen werden konnte, mußte doch der Befehl zum Bau und die Beschreibung dieses Rettungskastens vorangeschickt werden. Eine andere Disposition als die uns vorliegende wäre also nicht möglich. Wunderlich bleibt nur, daß man ein Luftgebäude mit solch gebrechlichem Material zu stützen sucht.