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Jeschurun · 1914-12-01 · Heft 12 (Dezember 1914) · p. Seite 419

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 12 (Dezember 1914)
Date
1914-12-01
Page
Seite 419 (sequence 5)
Language
German
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Das große Hassen. 419 nicht zu hassen . . . dann ist er ein Starker und ein Held*. (Luzzatto der Weg der Frommen ed. Wohlgemuth S. 62f.). Wählen wir unter dem Schweren das Schwerste. Das ist zwoifollos die Pflicht, die Engländer nicht zu hassen. Schreiber dieses bekennt, daß ihm selber diese Forderung für einen Deutschen schier unerfüllbar scheint. Aber ebensosehr drängt es ihn, öffentlich auszusprechen, daß ihn vor der eigenen Verrohung ein Grauen erfaßte, als er bei der Vernichtung der drei Kreuzer durch U 9 aufjubelte und ihn keinen Augenblick das Mitleid überkam mit den vielen Menschen, die da in wenigen Minuten ihr Grab gefunden. Wochen hindurch hatte das Schicksal der „Titanic“ dio Menschheit auf dom woitou Erdenrund in ihren Tiefen aufgewühlt und ihr Untergang hatte doch wonigor Opfer gekostet. Wohl verstanden, nicht dio Freude über den Sieg empfinde ich hier als Unrecht, sondern daß jeder Gedanke an das unsägliche Elend, das ihn begleitete, ausgeschaltet war. Auch den Untergang der Ägypter im Schilfmeer feiern wir in einem Feste und in Lobliedern. Aber daß keine ungetrübte Freude herrschen darf, wenn die Werke Gottes ins Meer versinken, das haben unsere Weisen bei der Feststellung der Liturgie uns eingeschärft. Auf dio Gofahr hin, dio Sympathie mancher Leser zu verscherzen, möchten wir zeigen, daß der Haß gegen die Engländer in ihrer Gesamthoit wohl durchaus natürlich ist, aber oben wie alles Natürliche von der sittlichen Arbeit, die wir an unserem Solbst zu vollziehen haben, überwunden wordon kann. Wir verfallen nämlich in denselben Fehler, der diesem Volko in besonders hohem Maßo eigen ist; wir haben es heute völlig verlernt, uns in das Wesen eines fremden Volkes einzufühlen. Das soll jetzt eine Tugend sein, wäre aber, wenn wir nach dem Kriego dabei verharren wollten, ein nationales Unglück und würde Deutschland von der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Höhe stürzen, die es errungen. Wer Hettners epochemachendes vierbändiges Werk „Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts“ gelesen, der weiß, daß wir nie

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