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Jeschurun · 1914-11-01 · Heft 11 (November 1914) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 11 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Die Bedeutung der Gutachtenliteratur für die jüdische Geschichte. 401 Ferne. Auf eine die talmudische Überlieferung betreffende Anfrage beleuchtet er nun in seiner Antwort das Wesen der Tradition und gibt einen Überblick über die talmudische und nachtalmudische Zeit. Dabei werden nicht nur die literarischen, sondern auch die allgemeinen Zeitverhältnisse, die Verfolgungen und Bedrückungen, welche ja auch auf das Gesetzesstudium nicht ohne Einfluß bleiben konnten, berührt. Es folgt dann auch die Reihe der Gaonen, wobei die verschiedenen Anordnungeil. die sie getroffen haben, erwähnt werden, und auch die inneren Streitigkeiten, welche in jenen Zeiten Parteiungen und Wirren verursachten, werden nicht verschwiegen. — Dieses Gutachten des Gaon R. Scherira nun ist die einzige Quelle für einen wichtigen Teil der jüdischen Geschichte, für die ganze talmudische, nachtalmudische und gaonäisehe Zeit. Diesen Wegweiser durch die ganze saboräische und gaonäisehe Epoche verdanken wir also einem Manne, der. wie man manchmal nicht ohne eine gewisse Geringschätzung zu sagen pflegt, nichts weiter war als ein Talmudist. Dabei sind die Angaben in diesem Sendschreiben, wie immer mehr erkannt wird, von unbedingter Zuverlässigkeit. R. Scherira hat offenbar aus alten zeitgenössischen Aufzeichnungen geschöpft, und seine peinliche Gewissenhaftigkeit ist durch die neuesten Forschungen Isaak Halevis noch mehr ins rechte Licht gestellt wT0rden. Das zweite Gutachten, das für die jüdische Geschichte von hoher Bedeutung ist, stammt von R. Salomo Luria, einem polnischen Rabbiner aus dem 16. Jahrhundert. Auch hier bemerken wir wieder dieselbe Erscheinung: ein Mann, der ,.nur Talmudist” ist, gibt uns den Wegweiser durch einen großen Teil der jüdischen Geschichte. R. Salomo Luria, der an verschiedenen Orten Polens wirkte, war ein origineller und selbständiger Geist, der auch in jener Zeit, die an talmudischen Autoritäten nicht arm war, eine hervorragende Stelle einnahm. Sein historisches Gutachten, das ebenfalls eine Anfrage bezüglieh der Tradition beantwortet, knüpft an R. Hai, den Sohn des Gaon R. Scherira, an; er erwähnt dann die Gelehrten der nordfranzösischen und deutschen Schule, wie Raschi und Rah-

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