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Jeschurun · 1914-11-01 · Heft 11 (November 1914) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 11 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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}S2 Der gesetzestreue Jude und der Krieg. ein unserem Empfinden fremdes Element. Und das Boxen und Raufen steht uns sicher nicht. Die Lust an dem Abenteuer ist zweifellos auch in der jüdischen Jugend zu Hause. Auch sie ist erfüllt von lebendiger, vorwärts drängender Kraft. Doch sie erfährt ihre Hemmungen durch den stark ausgeprägten jüdischen Familiensinn. Bewundernswert der. welcher bereit ist. sein eigenes Leben zu opfern. Aber wir fühlen die Bande, die uns mit unseren Lieben verknüpfen, als schier unzerreißbar, nenne man es wie man wolle: Betulichkeit und Weichmut. Wir sehen in dem einzigen Sohn der Witwe, der seiner Mutter das Haus zur Hölle macht, bis sic ihm die Einwilligung gibt, sich freiwillig zu stellen, nicht den jungen Helden, ein leuchtendes Vorbild der Vaterlandsliebe. Aber auch das Letzte, der Gedanke an die erhebende und sittigende Macht des Krieges kann seine volle Kraft in unserem Innern nicht entfalten! Wir sehen und wir fühlen vor allem immer auch die Kehrseite des durch den Krieg an geistigen Werten Errungenen. ישראל רחמנים בגי רחמנים. Wir sind nun einmal eine Genossenschaft, die die Liebe zur Gesamtmenschheit und das Mitgefühl mit ihr als Erbgut erhalten und durch die Leiden, die wir am eigenen Leibe erfahren, immer mehr als Stammeseigenschaft ausgebildet. Der Menschheit ganzer Jammer ist zur grausen Wirklichkeit geworden, das Leid von hundert Millionen Menschen, so viele sind vielleicht beteiligt, wenn wir alle Angehörigen derer, die heute in Europa, Asien und Afrika im Felde stehen, berücksichtigen, das empfinden wir mit, und dies Mitleiden schwillt und schwillt und zieht wie ein Strom von furchtbarer Gewalt durch unser Herz, daß es die stolzen und frohen Erregungen überflutet und sie nicht zur rechten Geltung kommen läßt. Und neben dem Mitleid will auch die Liebe nicht schweigen, und wir gedenken des Satzes: ..Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da!" Uns schaudert, denken wir an die Flutwelle des ungeheuren Hasses, die jetzt die ganze Welt überschwemmt, und wir können des ethischen Gewinnes, den unser deutsches Volk zweifellos aus der Tragik der großen Zeit errungen, der Liebesbetätigung, die innerhalb unserer Grenzen

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