Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 11 (November 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Der gesetzestreue Jude und der Krieg. geisterung beim Absingen der Königshymne oder anderer patriotischer Lieder bekunden konnten.“ Und das zweite: Unsere patriotische Erhebung ist frei von allen Motiven, die aus der Freude am Kriege um des Krieges willen entspringen. Diese Motive sind durchaus nicht niedriger Art, ja sie sind z. T. von ethischem Gehalt. Da ist zuerst die Freude des Berufssoldaten an der Ausübung seines Berufes. Es liegt tief begründet im Wesen des Menschen und gerade des besten, daß er zeigen will, was er kann. Und wir verstehen es, wenn die Offiziere leuchtenden Auges ausgezogen sind, da ihnen vergönnt war, über das Pensum, wenn man so sagen darf, das sie Jahrzehnte hindurch immer wieder gelernt, sich nun auch einmal auszuweisen, die Aufgabe, zu der sie sich immer und immer wieder vorbereitet, vor den Schiedsrichtern der Welt zu lösen. Da ist ferner die Lust am Dreinhauen, das Streben, die Körperkräfte zu messen, wie es bei den sozial höher Stehenden in manchen Formen des Sports und in den studentischen Mensuren, bei der Masse des Volkes in den Raufereien zutage tritt. Sodann die Abenteuerlust, die in der Natur des Menschen begründet und darum an sich keinesfalls verwerflich ist. Wenn sich die Sechzehn- und Siebenzehnjährigen von der Schulbank zum Eintritt als Kriegsfreiwillige drängen, so hat zweifellos die Begeisterung für die ideale Seite des Krieges, das Streben, sich für die Rettung der großen Werte hinzugeben, einen großen Anteil an dem Entschluß. Ist ja die Jugend in diesem Alter darum so liebens- und beneidenswert, weil sie sich dem Rausch der auf sie einstürmenden großen Gedanken und Gefühle ohne jede Berechnung überläßt. Aber vergessen wir doch auch nicht, daß bei vielen die Lust mitspricht, der Tretmühle der gerade in diesem Alter am lästigsten empfundenen, regelmäßigen, gebundenen, in ihrem Werte nicht recht erkannten Arbeit zu entfliehen, daß der leichte Sinn die Entscheidung gibt: ״Nicht jede Kugel trifft*', und die frohe Hoffnung, dereinst erzählen zu können, man ist auch dabei gewesen. Und da ist zuletzt die Auffassung, die viel Bestechendes hat und wohl ernst genommen sein will, daß