Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 11 (November 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der gesetzestreue Jude und der Krieg. 377 wenn es sich um das Verhalten einer Volksgruppe gegenüber handelt, fremd sind. Diese Annahme findet ihre Bestätigung in der Geschichte. Der Anteil, den die Juden an den Befreiungskriegen und im Kriege 1870/71 nahmen, hat es nicht vermocht, die Vorurteile, die man gegen sie hegte, auf die Dauer zu unterdrücken. Das sind sicherlich unerquickliche und scheinbar unpatriotische Erörterungen in einer Zeit der allgemeinen Verbrüderung. Doch nur scheinbar. Der Patriotismus ist nicht der echte, der ein Ausdruck ist der Hurrastimmung und der Hingabe an die Massensuggestion, sondern der allein befähigt zu den höchsten Leistungen, der ein Ergebnis ist der Selbstbesinnung und der klaren Überlegung über den tieferen Grund der Pflicht. Wir wollen versuchen, die Triebfedern, Motive, Gefühle aufzudecken, aus denen der Patriotismus des deutschen Juden quillt, zu schildern, was in seiner Seele vorgeht, wenn er die ihm vom Staate auferlegte Pflicht aus freiem Willen heraus bejaht, wenn er in den Krieg zieht mit dem Streben, sein Leben für das Vaterland einzusetzen. Was wir schildern, ist der Niederschlag von wirklich Erlebtem, aus dem Kreise derer, die uns nahestehen, mit denen wir gesprochen, von deren Angehörigen wir Einzelheiten gehört. So ergibt es sich von selbst, daß wir nur ein Bild von der Seelenstimmung gesetzestreuer Juden zeichnen können. Aber es ist immerhin wertvoller, eine wahrheitsgetreue Schilderung des inneren Lebens einer kleineren Gruppe zu geben, als sich in Allgemeinheiten zu ergehen, die auf unbestimmten Vermutungen beruhen. Da ist nun das erste: Unsere patriotische Erhebung wird nicht verunreinigt durch irgend ein politisches Interesse, durch irgend einen Nützlichkeitsgedanken, durch die Hoffnung auf eine Belohnung nach dem Kriege. Wir sind in höherem Maße noch als die Kreise, die dem altüberlieferten Judentum entfremdet sind und daher in engeren Beziehungen zu der nichtjüdischen Umgebung stehen, von der Überzeugung 26*