Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur Deszendenztheorie. 3^1 regenerieren können, von solchen Tieren abstammen, die diese Fähigkeit einmal erworben haben. Das ist aber nur angängig, wenn sie alle einmal ihre Extremitäten verloren haben, denn woher hätten sie sonst die Fähigkeit erworben, sie zu ersetzen? Da aber alle heute existenten Tritone diese Fähigkeit haben, so sind alle, die nicht regenerieren konnten, d. k. solche, die ihre Gliedmaßen nicht verloren hatten, untergegangen! Welche Absurdität! Hier liegt übrigens ein merkwürdiger Widerspruch im System vor; denn wenn andererseits auch die natürliche Zuchtwahl wirkt, so ist merkwürdig, daß gerade die invaliden Formen aus dem schweren Hingen siegreich hervorgegangen sind. Dahin führt die konsequente Durchführung der Deszendenztheorie, in der meist vertretenen Weise, weil alles geschichtlich in ihr gedeutet werden muß. Dieses Beispiel zeigt klar, daß die Theorie selbst als Arbeitshypothese nicht in voller Form aufrechterhalten werden kann, denn nur so lange ist eine Hypothese zu halten, als sie leicht und möglicherweise einzig und allein die Gesamtheit der sich ab wickelnden Prozesse erklären kann. 3. Daß dennoch mit Leidenschaft an der Theorie festgehalten wird, ist nur so zu begreifen, daß man ihr mehr zumißt als wegweisende Bedeutung. Der Verzicht auf sie wäre gleichbedeutend mit der Vernichtung einer naturwissenschaftliehen Weltanschauung. In der Tat wird die Theorie von einer großen Zahl akademischer Lehrer mit einer Überredungskraft vorgetragen, die bekundet, daß sie den Gipfel ihrer Ideenwelt darstellt. Und weil der naturalistische Materialismus der Theorie Vater wurde und ihr Heimatsrecht in seinem Hause gab, müssen wir noch auf diesem Gebiete mit ihr abrechnen, wo sie nicht mehr Tatsachen erklären will, sondern sich als Wahrheit und als realisierter Prozeß brüstet. Hier beginnt auch das Interesse derer, die der jüdischen Lehre treu ergeben und deshalb vor die Frage gestellt sind, ob die Theorie zu billigen oder zurückzuweisen ist. Zunächst aber fragen wir allgemein: Hätte die Hypothese selbst, wenn nichts Empirisches gegen sie spräche, Anspruch auf Berücksichtigung in einer Metaphysik? Wir