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Jeschurun · 1914-10-01 · Heft 10 (Oktober 1914) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 10 (Oktober 1914)
Date
1914-10-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Zur Deszendenztheorie. 359 ist es überhaupt charakteristisch, daß vom jeweiligen Stande des Wissens aus der kühne Versuch einer Theorie der gesamten Lehre unternommen wird. Schon diese Tatsache sollte Skepsis lehren. Wir befinden uns nur in einer an Menge des Wissens der Vergangenheit überlegenen Periode, sind aber von der erschöpfenden Kenntnis gleichfalls weit entfernt. Daß z. B. zwei Theorien, die grundsätzlich verschieden sind wie etwa die Helmholtzsche und Heringsche Erklärung der Komplementärfarben, oder entgegengesetzte wie Mechanismus und Vitalismus dieselben Erscheinungen oft gleichmäßig ״erklären“ können, ist Beweis genug, daß Theorien nicht vollkommen sind; denn tatsächlich kann nur eine stimmen, und diese eine richtige braucht noch nicht einmal eine der bisher aufgestellten zu sein. 2. Was nun den zweiten Punkt, die Faktoren, betrifft, die die Entwickelung der Organismenwelt veranlaßt haben sollen, so seien zunächst die des Darwinismus geprüft. Wie jede Theorie, die eine Entwickelung anerkennt, basiert auch er auf der Variation. Jedem Organismus muß man den Habitus der individuellen Abweichung oder Verschiedenheit zusprechen. Diese kann mehr oder weniger groß sein und ist der Steigerung fähig. Wenn dann natürliche Zuchtwahl und der Kampf ums Dasein einsetzen, kann der Theorie zufolge die Differenzierung der Arten zustande kommen. Dabei wird, wie Driesch1) mit Hecht betont, übersehen, daß diese Auslese eine zerstörende, aber nicht schaffende Kraft hat. Es gehen krankhafte, anormale Individuen zugrunde und bessere bleiben. Höhere Arten im Sinne der Systematik werden hierdurch nicht geschaffen. Es ist hier am Platze darauf hinzuweisen, daß die Biologie oft in den Fehler verfallen ist, in einem Negativen oder in dem Negatives Schaffenden den adäquaten Heiz für eine positive Leistung zu sehen. Dieser Faktor Zuchtwahl vernichtet — auch das wohl nur hie und da — oder besser schafft Be- 1909. L) Driesch, Die Philosophie des Organischen. Giffbrd Vorlesungen

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