Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2292930-2292938--00355-2293590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
312 Eine merkwürdige Anologie. ist der Text von Ulrich von Wilamowitz-Möllendorf im Verein mit Hunt übersetzt und herausgegeben worden. Nach einer Mitteilung, die er darüber in den ,.Neuen Jahrbüchern für das klassische Altertum“ (Jahrgang 1912. S. 449 ff.) u. a. macht, sind etwa 400 Verse erhalten geblieben. Ihr Inhalt behandelt in Anlehnung an den sogen. Homerischen Hymnus den Mythus von dem Diebstahl der Rinder des Apollo durch seinen eben erst geborenen Bruder Hermes und ihrer ’Wiederauffindung durch die Sucherschar der Satyre; daher der Name Ichneutai Satyroi (die Satyre als Spürhunde). Apollo tritt auf und erzählt, welche Anstrengungen er bereits vergebens gemacht habe, um wieder in den Besitz seiner Herde zu gelangen, und verspricht demjenigen, der den Dieb ergreift, hohen Lohn. Nun tritt Silen mit seinen Satyren auf, und sie begeben sich auf die Suche. Plötzlich aber bleiben die Satyre stehen, und auf die ärgerliche Frage Silens nach dem Grunde, ant- Worten sie: ״Höre nur, was uns hier stumm vor Staunen hält; dieses Geräusch, das noch nie an das Ohr eines Sterblichen gedrungen ist.“ Nun erscheint die Nymphe des Orts, Kyllene, die Pflegerin des Hermes und erzählt ihnen die Geschichte des eben erst geborenen Göttersohns und der Erfindung der Lyra durch ihn. An einem einzigen Tage habe er sie aus einem Knochengerippe hergestellt und ״dieses Gefäß voller Trunken' heit, es ist der Rest eines toten Tieres, das es ihm geliefert hat.‘4 Die Ungeduld der Satyre zu erfahren, was für ein Tier das sei, wird von ihr zuerst durch ein längeres Rätsellied auf die Probe gestellt; endlich aber verrät sie ihnen, daß es das Gehäuse einer Schildkröte sei, die Hermes mit den Darmsaiten eines Rindes überspannt habe. Die Schilderung schließt mit den 'Worten: ״Glaube es dennoch. Lebend war das Tier stumm; tot bekam es Sprache“. — dann wendet sich das Gespräch dem Rinderdiebstahl zu und schließt damit das Bruchstück. Die Worte: ״Lebend war das Tier stumm, tot bekam es Sprache“ lösen den Gedanken an ein sehr ähnlich klingendes