Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1914-08-01 · Heft 8-9 (August 1914) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 8-9 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292930-2292938--00310-2293545
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Weltkrieg. 267 der Ritterlichkeit, die alle unbeteiligten Nationen dem scheinbar Schwächeren und rings von Feinden Umstellten stets entgegenbringen. Wir erinnern an die allgemeine Burenbegeisterung im südafrikanischen Kriege, an die Teilnahme für die Japaner in ihrem Kriege gegen Rußland. Man kann eigentlich auch nur von einer Sympathie der hier lebenden Amerikaner sprechen. In Amerika selbst hat die ausschlaggebende Presse wahre Orgien der Gehässigkeit gefeiert. Und um das an sich Unfaßbare, daß solche Todfeinde wie die Deutschen und Tschechen es waren, nun jetzt wie treue Kameraden sich brüderlich zur Verteidigung rüsten, zu erklären, wird urplötzlich der Unterschied zwischen östlichen und westlichen Slaven konstruiert, von dem man bisher nie ein Sterbenswörtchen gehört hatte. Nein und abermals nein! Das Nationalitätsprinzip in seiner Übertreibung und seiner brutalen Nacktheit hat bankrott gemacht. Dafür das beste Zeichen, daß die drei fast wie Rassen voneinander geschiedenen Nationen, Germanen, Romanen und Slaven sich zur Vernichtung Deutschlands zusammengetan, und daß andererseits das Völkergemisch Österreichs zu einer so geschlossenen Einheit sich zusammengefunden. Rückt man noch immer nicht ab von jener Über- Spannung des Nationalitätenprinzips, die sich in den Balkangreueln so ״ herrlicha bewährt und in Serbien solche Früchte gezeitigt?! Haben wir nicht genug des Niedrigen erlebt, daß man auch das Erhabene, dessen wir Zeuge waren, in den Staub ziehen will. Will man für die Ursachen des Völkerringens keine völkerpsychologischen Motive gelten lassen, wie wir sie oben gezeichnet, nun gut, so sage man: England, das den Höhepunkt seiner Macht überschritten und nun träge und bequem geworden, wollte den Niedergang dadurch vermeiden oder hinausschieben, daß es die aufstrebende deutsche Weltmacht unschädlich zu machen suchte. Aber man leugne nicht, was so klar vor aller Augen liegt, daß Österreich und Deutschland nur deshalb von solch einheitlichem Geist getragen, mit solchem, den endgültigen Sieg verbürgenden Gemeinsinn all seiner Bürger

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.