Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Vom alten Stamm. 223 Jedes Wort, von uns hinzugefugt, würde dieser Erzählung den Schmelz rauben. Aber was könnte ein Dichter, der daran die Mittel poetischer Darstellung wendet, wie Perez an seinen volkstümlichen Geschichten, aus den Tiefen der Gedanken- und Empfindungswelt, in die uns diese Erzählung blicken läßt, für Schätze heben. Es lohnt sich, für Rabba bar Nachmani den Himmel zu bemühen! Doch es liegt eben System in diesen Erzählungen. Aus dem Chassidismus, der an sich eine notwendige und darum in sich berechtigte Reaktion gegen die allzu einseitige intellektueile Betätigung darstellt, wird uns zumeist nur diese eine Seite gezeigt. Von der unendlichen Hingabe an das göttliche Gebot, von der Freude, die den Gottesdienst verklärt, von dem unerschütterlichen Gottvertrauen, das diese armen getretenen Menschen auch die schwersten Leiden in stiller Seelenzufriedenheit überwinden läßt, hören wir recht wenig. Und wenn einmal dies Gottvertrauen geschildert wird, so wird es ins völlig unwahrscheinliche, ungehörige und darum lächerliche umgebogen. Wie in der Erzählung .,der Zauberkünstler“, in der dem Chajim Jojne ״einem gelehrten und gottesfürchtigen Mann“, der auch nicht das Geringste für den Sederabend vorbereitet hat, durch einen ״ Zauberkünstler der vorher im Dorf seine Kunststücke gezeigt hat, nachdem er am Abend nicht einmal Licht anzuzünden hatte, Lichter und Wein und Mazzes und alle Ingredienzen des Seder herbeigezaubert werden. Das soll dann der Prophet Elijahu gewesen sein. Daß Chajim Jojne keine Unter- Stützung annehmen will, trotzdem sie in der vornehmsten Weise angeboten wird, woPen wir uns gefallen lassen, obwohl er doch nachher am Abend entschlossen ist, beim ״Erstbesten“ einzukehren. Daß er aber das Letzte, was er noch vor Peßach in seinem Besitze findet, verkauft und statt seinen Seder vorzubereiten, den Erlös in die Kasse trägt, aus der man die Armen für das Peßach fest unterstützt, weil die Armen vorgehen, das ist von einem so ״gelehrten Mann“, wie Chajim Jojne ein sehr großes Maß von Unwissenheit über die Be-