Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2292929-2292930-2292937--00255-2293489- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^escfjumn 1. Jahrgang. Juli 1914 Tammus 5674 Heft 7. Vom alten Stamm. Die jüdisch-nationale Bewegung hat das große Verdienst, und dies können ihr auch die schärfsten Gegner nicht streitig machen, in der westeuropäischen Judenheit Sinn und Verständnis für das Innenleben unserer osteuropäischen Brüder geweckt zu haben. Und zwar gilt das nicht nur von denen, die der jüdisehen Lehre und dem jüdischen Leben an sich fern standen, sondern auch zum Teil für die gesetzestreue Judenheit. In den thorakundigen Kreisen war immerhin noch durch das gemeinsame Interesse für das ״Lernen“ eine Brücke geschlagen. Für den Unwissenden aber war der polnische, der russische Jude ein Mensch, dem man vielleicht Wohltaten erweisen mußte, dem man aber mit einem Mißtrauen, das an Verachtung grenzte, gegenüberstand. Für diese tiefe Kluft innerhalb der Judenheit selbst zwischen den Gesinnungsgenossen, haben wir ja leider in unserer Geschichte Analogien. Wir erinnern nur an die Abneigung der ״Sefardim“ gegen die ״Aschkenasim“, die oft zu grotesken, ja uns unerhört anmutenden Ausschreitungen führte! Durch die Betonung des nationalen Moments rückten die getrennten Glieder einander näher, auch die Seelen erschlossen sich, man fühlte sich als ein einig Volk von Brüdern und der eine nahm teil an dem, was den anderen in seinem Innersten bewegte. Als ein besonders wertvolles Instrument für die Aneignung der den Westeuropäern fremden Welt, hat sich die Verbreitung 15