Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Moderne Synoden. 207 und zeigen, ein wie abfälliges Urteil er über alle Versuche aussprach, die religiöse Verpflichtungskraft des jüdischen Gesetzes durch Versammlungsbeschlüsse modifizieren zu wollen. Wenn neununddreißig gebildete Israeliten-Versammlungen in neununddreißig deutschen Staaten erklärten, daß ihre respektiven Mitglieder die einen diese, die anderen jene Zeremonie für überflüssig halten, so würde dadurch in dem wahren inneren Stand der Dinge nicht das Mindeste verändert werden; jeder würde nachher dasselbe tun und lassen, was er vorher getan und gelassen. Dieses Verhältnis würde auch dadurch nicht anders werden, daß man die Versammlung aus Abgeordneten, von den Juden gewählt, bestehen ließe. Ich habe keinen Begriff von einem Mandat, vermöge dessen ich jemanden beauftrage, über meine religiösen Meinungen und die daraus folgenden Pflichten seine Stimme abzugeben und eine Ent- Scheidung darüber durch Stimmenmehrheit fällen zu helfen. Keiner von uns wird wohl geneigt sein, der vollen individuellen Freiheit der Ansicht und der Handlungsweise, die wir in allem, was religiöse Zeremonien betrifft, in Anspruch zu nehmen gewohnt sind, zu entsagen, und sich den Beschlüssen irgendeiner Majorität darin zu unterwerfen; keiner wird sich durch solche Beschlüsse gebunden erachten; mithin wird auch keiner hoffentlich so töricht sein, sich dadurch entbunden zu wähnen. Ich möchte doch wissen, was sich denn eigentlich die Herren, die jene sogenannten Gesetze durchaus durch eine sogenannte äußere Autorität abgeschafft haben wollen, bei der Sache denken. Gesetzt nun, die Majorität einer solchen Synode, Versammlung oder wie man sie nennen will, erklärt, diese oder jene Vorschrift könne nicht aufgehoben werden: wollte gelassen, weil sie nur die Argumente wiederholen, die schon häufig ausgesprochen wurden, und der Raum uns beschränkt ist. Aber wir glauben, daß gerade, weil er dem andern Lager angehört, seine Stimme um so größeres Gewicht hat in dem, was er über den Widersinn der Versammlungen des Re form Judentums ausspricht.