Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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180 In der Hermannshöhle. Zeit gebildet, die die letzten 4 m zu ihrer Enstehung benötigten. Der Schluß von einer vierzigjährigen Periode auf eine von 80000 Jahren entbehrt jeder Strenge und Eindeutigkeit.“ ״Aber wieso nehmen dennoch alle Gelehrten diese Berechnung als richtig an?“ warf einer nachdenklich ein. ״Das müssen die, wenn sie nicht auf alle Bückwärtsberechnung verzichten wollen. Weil wir eben vergangene Epochen nicht kennen, so können wir nur dadurch ein Bild über sie gewinnen, dadurch Aussagen über sie machen, daß wir einmal vorläufig annehmen, das gegenwärtige Verhalten der l$!atur galt ungestört früher wie heute. Aber ernste und gewissenhafte Forscher werden stets betonen, daß alle solche Berechnungen hypothetisch bleiben und niemals den Charakter zwingender Tatsachen erhalten können.“ ״Wie aber können wir uns denn der Übereinstimmung aller entziehen?“ fragte ein zweiter. ״Gewiß können wir das,“ erwiderte unser Direktor, ״so gewiß wir Juden sind. Wir können uns nie der Majorität in Sachen des Denkens und der Weltanschauung unterwerfen. Wir mußten und müssen den Mut haben, geistig unsern eigenen Weg zu gehen. Wie wir unsere körperliche Nahrung zu prüfen haben, ob sie dem Gottesgesetze entspricht, so sollen wir unsere geistige, die Speise der Seele messen am Gottesworte, ob wir sie uns zu eigen machen können oder nicht. Diese Aufgabe ist auch euch gestellt von frühester Jugend an.“ ״Habe ich es nicht gleich gesagt,“ ließ sich eine Stimme vernehmen, ״Apikorssuss war es, weiter nichts.“ ״Du hast recht,“ sprach lächelnd unser Direktor. ״Schon im Hiob steht es: Wo warst du denn, da ich die Erde hab gegründet? Erzähl5 es doch, wenn du es weißt!“ (Hiob 38,4).!iiinii Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemuth, Berlin. Verlag des Jeschurun, Berlin. Druck von Max Schmersow in Kirchhaia N.-L.