Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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I/O Menschenopferkult und Judentum. erwähne und ihm keinen Denkstein setze. Hierin hat eine Anfrage ihren Grund, auf welche sich Asulais Bescheid in seinen Responsen חיים שאל (I No. 71) bezieht. Nach Allem, was wir von Castello erfahren, dürfte es unzweifelhaft sein, daß er der Gelehrte war, den Lessing als noch ״größer als Mendelssohn“ bezeichnet hatte. Menschenopferkult und Judentum. Von Rabbiner Dr. Ludwig Rosenthal, Cöln. (Schluß.) II. Wir haben die Welten und Jahrtausende durchstreift; vom inneren Asien bis zu den Säulen des Herkules, vom 4. vorchristlichen Jahrtausend bis an die Schwelle des Mittelalters. Wir fanden in allen Zeiten und bei allen Völkern, und gerade bei denen, die als Kulturträger eine entscheidende Rolle in der Menschheitsgeschichte spielen, den Brauch des Menschen- Opfers, an keine Grenze gebunden, unbeeinflußt von Blüte und Verfall der Völker, von ihrer geistigen Höhe und Minderwertigkeit, in jeder polytheistischen Religionsform, den vielköpfigen Scheusalen Asiens dargebracht wie dem von Phidias Meisterhand gemeißelten Zeus Griechenlands, als eine geradezu dämonische Erscheinung, letzten Endes erklärbar eben nur aus dem innersten Wesen des Heidentums selber, aus der polytheistischen Gottesidee an sich. Es ist uns klar geworden, daß diesem fürchterlichsten Wahn des Menschengeschlechts entgegengetreten werden konnte nur durch eine vollständige Umkehrung des religiösen Grundbegriffs und eine grundlegende Erneuerung der Gottesvorstellung überhaupt, weil die alte auf das Menschenopfer als höchste religiöse Betätigung mit magischer Zauberkraft hingedrängt hat. In dieser klaren Erkenntnis nehmen wir nunmehr die Bibel in die Hand und lesen mit historischem Verständnis