Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2292929-2292930-2292935--00188-2293420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
162 Das Gichon-Kätsel. sich aber den Zusammenhang so, daß unterirdische Leitungen das Wasser des Gichon von der Westseite her nach Südosten führen, wo es in dem Siloach-Teich wieder zutage tritt. Er schreibt wörtlich: ״Die Quelle war hiernach früher außerhalb der Stadt auf ihrer Westseite zum Vorteil belagernder Feinde. Hiskia scheint deshalb dieselbe in großer Tiefe ab gefangen, unter die Stadt geleitet und dadurch Jerusalem einen unversieglichen, den Feinden unzugänglichen Wasserreichtum gesichert zu haben“ (S. 332). Im gleichen Jahre mit Räumers Palästina erschien Salomon Munks Palestine1). Hier wird bereits die Auffassung, daß unser Gichon nichts anderes als der Sehiloach der Bibel war, wiewohl nicht mit Bestimmtheit vertreten. Er schreibt (S. 125): ״Am nordöstlichen Ende des Dorfes (Siloam, Kefr Selwän) ist am Fuße des Op hei in der Felswand eine Höhle, aus deren Innern man das Murmeln eines unterirdischen Gewässers vernehmen kann; zu diesem führen zwei Treppen hinunter; man sieht dann unter dem Felsen hervor Wasser aus verborgenen Tiefen fließen . . . Die Quelle (Marienquelle) wird von den Siluanern auch Oberquelle genannt, im Gegensatz zu der Siloahquelle. Diese wird durch einen künstlichen, wenn auch roh ausgeführten Felskanal von der Marienquelle gespeist. Seit lange schon hatte man an diesen beiden Gewässern, sowohl an der Quelle, als an dem Siloahbrunnen .ein Steigen und Fallen, eine Art Flut und Ebbe bemerkt2), eine Erscheinung, ב) Von diesem Werk erschien eine deutsche Bearbeitung von M. A. Levy (Leipzig 1871) in den Schriften des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur. Die Zitate beziehen sich auf diese Ausgabe. 2) Diese Erscheinung, der die Quelle auch ihren Namen (גין־ן hervorsprudeln) zu verdanken scheint, erklärt sich nach neueren Hypothesen dadurch, daß das Wasser sich im Berginnem in einer Höhle sammelt, die mit dem Kidron-Tal durch einen heberartig gebogenen Kanal in Yerbindung steht. Sobald sich nun in der Höhle soviel Wasser angesammelt hat, daß es bis zum höchsten Heberpunkt reicht, fließt nach einem physikalischen Gesetz der gesamte Wasservorrat in einem Zuge ab. 1910 beobachtete man alle 9—10 Stunden ein etwa 35—40 Minuten dauerndes Sprudeln der Quelle.