Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur Charakteristik der Weisen des Talmud. 129 und allein um die Feststellung der Wahrheit zu tun war, daß keine Spur von Rechthaberei oder hartnäckigen Beharrens auf der einmal gefaßten Meinung sie ihre Diskussionen führen ließ, wenn wir uns an die gewaltige Persönlichkeit des Akabja ben Mehallalel erinnern. Er war in einer halachischen Frage anderer Meinung als seine Kollegen, er konnte von der Unrichtigkeit seiner Ansicht nicht überzeugt werden; nichtsdestoweniger empfahl er vor seinem Tode seinem Sohne, sich in der betreffenden Frage nicht nach ihm sondern nach seinen Gegnern zu richten. .,Ich habe die Ent- Scheidung von meinen Lehrern, die die Majorität bildeten, empfangen, und die ihre Ansicht nicht widerrufen haben, darum hatte ihre Ansicht Geltung für mich, für dich aber, der du von mir meine Entscheidung und die gegenteilige von der Majorität gehört hast, bin ich nur einer, dessen Meinung der Wahrheit gegenüber bei dir keine Geltung beanspruchen darf״ (Edijoth 5, 6). So verzichtet der gelehrte Vater auf den Beweis der Pietät seitens des Sohnes, einzig und allein um der Wahrheit willen. — «Sage nicht: ich will mich dem Studium hingeben. um zu Ehre und Ansehen zu gelangen, daß ich Rabbi oder Meister geheißen werde, sondern lerne Thora um ihrer selbst willen, um der Pflicht zu genügen!“ Das war der Grundsatz unserer Weisen, und von diesem Gesichtspunkte aus verstehen wir es auch, wenn es Männer wie R. Jochanan ben Sakkai und sein Schüler Elieser ben Hyrkanos gab, die ihre Persönlichkeit bei ihrer Lehrtätigkeit vollständig in den Hintergrund treten ließen, die, ihrem Wissen und ihrem Scharfsinn nach wohl in der Lage gewesen wären, aus eigenem Ent- Scheidungen zu treffen, und doch darauf verzichteten, als selbstschöpferische Lehrer zu glänzen und nicht zu bewegen waren, eine Lehre aufzustellen oder eine Entscheidung auszusprechen, die sie nicht von ihren Lehrern gehört hätten (Succah 28a). Aus dieser seiner Lebensregel mag wohl — beiläufig gesagt — der zähe Widerstand, den Elieser in der Tannur schel Achnai-Debatte (B. Mezia 59 a) den anderen Gelehrten gegenüber leistete, zu erklären sein. Nicht seine Meinung, die seines