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Jeschurun · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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128 Zur Charakteristik der Weisen des Talmud. Besondere Hochachtung vor der Wahrheitsliebe und dem Bestreben unserer Weisen, die Wahrheit, unbekümmert um ihr eigenes Ich, nur die Wahrheit zu finden, entlockt uns die Tatsache, daß sie zur Bestätigung ihrer Ansicht nicht allein keinen Scheinbeweis gelten ließen, sondern vielmehr für den Gegner eintraten, wenn ein Beweis zu dessen Ungunsten sich als nicht stichhaltig erwies. Man gab gern die Waffe preis, die den Gegner schwächen und den andern stärken sollte, indem man jenem zur Hilfe eilte. Ich meine die Stellen, die uns im Talmud unter der Form חרגמה פלוני אליבא דפלוני begegnen. Abajiund Raba sind verschiedener Ansicht über eine Rechtsfrage. Eine Reihe von Beweisen aus Mischna und Boraitha werden gegen Abaji vor־ gebracht, alle aber widerlegt, bis einer angeführt wird, gegen den aber Raba zugunsten seines Gegners Abaji sich wendet, ihn widerlegt und damit seine eigene Position schwächt. Wie laut redet dieses 'תרגמה רבא ובו für die Lauterkeit der Ge־ sinnung unserer Weisen. (Vgl. Baba Mezia 22 a.) So aber tritt auch andererseits Abaji für Raba ein. Das. 109a, Pesachim 12 a. So auch zu eigenem Ungunsten Samuel für den Gegner Rab, das. 101a. Bechoroth 55 a, R. Sera für Rabba, Erubin 88 a; R. Chisda für R. Huna, Sabbath 115b; R. Nachman für R. Scheschet, Kethuboth 110a. Samuel erklärt seinem Gegner R. Jehuda, daß dieser Recht zu haben scheint. Erubin 29 b, und R. Chija bar Joseph darf, ohne fürchten zu müssen Samuel zu beleidigen, diesen fragen, ob die Rechtsnorm seiner Ansicht gemäß festgesetzt sei oder nicht. Aber nicht nur den Kollegen gegenüber hielt man mit dem Bekenntnis eines Irrtums nicht zurück, auch der großen Volksmenge gegenüber hatte man keine Bedenken, den Irrtum einzugestehen. R. Nachman hatte sich überzeugt, daß er sich in einem Bescheide geirrt habe, er zögerte nicht, in öffentlicher Versammlung, man möchte sagen in feierlicher Weise, durch seinen neben ihm stehenden Sprecher, der besser vor der Menge sich verständlich machen konnte, zu erklären: ״Was ich euch gesagt habe, ist ein Irrtum!“ Erubin 15b. Vgl. dazu Rabas Geständnis das. 104a. Ganz besonders werden wir überzeugt, daß es unsere Weisen einzig

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