Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 105

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 105 (sequence 37)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2292930-2292933--00119-2293349
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Natur ein Buch Gottes. 105 Ehrgeiz darein zu setzen, immer über die Bücher der Saison unterrichtet zu sein. Sie verwirren oft das klare Denken und trüben das rechte Gefühl. Und sie verschwinden oft so schnell wie sie gekommen. Aber es gibt gute Bücher, die dauern, und Erfahrene werden den Unkundigen beraten können. Und hier sind es wiederum die Bücher, die mit der Natur verwachsen sind, die aus den Naturschilderungen heraus ihre Wirkungen auf uns üben, die von dauerndem Werte sind. Sie borgen ihre Beize von der Natur, und diese Reize sind unvergänglich. In die Außenwelt sollen wir uns versenken, aber auch in die Innenwelt. Eine Begründung und nähere Ausführung dieser Forderung würde uns hier zu weit führen. Darum nur wenige Worte darüber, nur um deutlich zu machen, was wir darunter verstehen. Wir treiben mit heißem Bemühen Seelenstudien, versenken uns in die Geschichte der geistigen Bewegungen, aber all das ist reine Theorie und fördert unser eigenes Selbst nur wenig. Auch hier sollten wir zurück zur Natur, wir sollten uns selbst beobachten, unser geistiges Werden, die Einflüsse kontrollieren, die auf uns eindringen, Abrechnung halten, um wieviel wir besser geworden oder an geistiger Spannkraft, an sittlicher Energie nachgelassen haben. Ein ganzer und geschlossener Mensch, der über den Umfang seines Könnens und Wissens, die Vorzüge und Schwächen seines Charakters sich stets im Klaren ist, der vermag aus seinem Innern so viel Kraft zu entfalten, daß er überall seinen Mann steht und fester in sich ruht, und alle Angriffe, die gegen sein geistiges Selbst gerichtet sind, sicherer abwehrt, als er es durch alle Apologetik und Theorien vermöchte. Auch hier gilt es, sich öfters loslösen von all dem Verwirrenden, das auf den Menschen einströmt und nur die Oberflächlichkeit fördert, sich zurückziehen vom Markt des Lebens und in einsamen Stunde!! sich Rechenschaft ablegen über sich selbst, nicht in metaphysischen Spekulationen, sondern in Beobachtung von Einzelzügen der eigenen Natur. Auch hier sind die rechten Bücher gute Führer, die ernsten und gewichtigen. Was könnte aber für uns Juden einen besseren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.