Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · page 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292930-2292933--00118-2293348
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

104 Die Natur ein Buch Gottes. Wenn in der Folgezeit das innige Verhältnis zwischen dem Menschen und der Natur im jüdischen Volke mehr gelockert erscheint, so sind dafür mannigfache Gründe vorhanden. Das heilige Land, der angestammte Boden war verloren, die fremde Welt ließ das Gefühl erkalten. Wie klingt die Sehnsucht nach dem Boden und der belebten und unbelebten Welt Palästinas aus der Zionide Jehuda-Halewys. Ihm gab Gott zu sagen, was er litt, wieviele sind in ihrer Qual verstummt, aber fühlten mit ihm das heiße Sehnen nach jener Natur?! Dann kamen die Jahrhunderte der Verfolgung, in denen der Jude entweder von Land zu Land gehetzt oder in das Ghetto gebannt wurde ohne Licht und Luft, ohne das Recht, einen Zoll Land sein eigen zu nennen. Diese gewaltsame Loslüsung von dem Grundberuf des Menschen, der Bebauung der Erde, dies Hineinzwängen in die engsten Räume mußte jedes gemütliche und herzliche Verhältnis zur Natur ersticken. Dazu kam, daß durch die Verfolgung die Richtung die Ober- 11 and gewann, die dem Keime nach in jeder Religion liegt und in gewisser Hinsicht eine Berechtigung hat, für das Judentum aber nicht wesentlich ist, die Weltflucht und die WeLabgewandheit. Für uns aber, denen die Gnade Gottes leuchtet, daß der ertötend(? Zwang von uns genommen, für uns heißt es: zurück zur Natur! Nicht, jedem ist es vergönnt, die herrlichsten Schöpfungen Gottes zu schauen, auf die Gipfel zu steigen, die schönsten Erdenflecke zu sehen. Aber auch das Schlichte und Einfache, Wald und Flur zeigen dem offenen Auge genug. Es sind die schönsten und dauerndsten Freuden, die sich uns da nach der Berufsarbeit bieten, frei von den Nachwirkungen, wie sie anhaltende Betrachtung künstlerischer Werke, wie sie der Theaterbesuch immer im Gefolge hat. Und im Winter, wo dem Städter der Weg ins Freie erschwert ist, wo er zu seiner Weiterbildung und Erholung nach Büchern greift, da sollte er sie in den Werken suchen, die ihn zur Betrachtung der Natur führen. Es gibt populär-naturwissenschaftliche Werke, die von religiösem Geiste erfüllt sind. Viele werden in Stunden der Erholung Belletristisches lesen. Es ist nicht gut und nicht klug, seinen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.