Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Natur ein Buch Gottes. IOI ringen, die eine hatte die andere um den Leib gefaßt und suchte sie mit sich zu zerren. Und richtig: die eine, obwohl nur ebenso groß, wie der Gegner, schleppte sie fort: die Unterlegene klammerte sich an jedem Grashalm, jedem kleinen Steinchen auf dem Wege, oft brachte sie ihren Sieger aus der Richtung, seitwärts wurde er gerissen, in ein Loch unter die Erde gezogen, eine ganze Stunde folgte ich dem Schauspiel, aber immer fand dieser seinen Weg und endlich sah ich ihn mit seiner Beute in dem Ameisenbau verschwinden, dort unten einen neuen Arbeiter dem Sklavenheer zuzugesellen. Welche Fülle von Lehren aus diesem alltäglichen Vorfall. Die zähe Energie, mit der hier die Ameise ihr Unternehmen durchsetzt, unerschütterlich, durch keine Hindernisse abzuschrecken. Ein jedes Individuum in dem großen Staatswesen auf sich gestellt, keiner half dem Sieger, als er mit dem Geraubten in die Nähe des Baus gekommen war, ein jeder ging seiner Arbeit nach, die doch zu einem größeren gemeinsamen Zwecke sich zusammenschloß. Das alles ein Abbild der vielgepriesenen menschlichen Kultur und ein Beweis dafür, daß alle Errungenschaften dieser Kultur schließlich nichts anderes wären, als eine wimmelnde Ameisenbürg, wenn nicht die Forderungen des Göttlichen in diese Kultur eingeführt werden. Es ist ja auch uralte Tradition, die Tradition der Bibel, die wir aufnehmen, wenn wir wieder mehr mit der Natur zu leben wünschen und in der Natur die Gottheit suchen. Nicht nur theoretisch spricht es die Bibel aus an der einzigen Stelle, wo eine eigentlich metaphysische Betrachtung uns in der Thora begegnet. Als Mosche die Herrlichkeit Gottes zu schauen, d. h. das Wesen Gottes zu erkennen sich als die höchste Gnade erbittet, da wird ihm geantwortet: וראית את אחורי ופני לא יראו. Nur was hinter mir liegt, kannst du schauen, aber mein Angesicht kann nicht gesehen werden. Die einzige und richtige Erklärung dieser Stelle ist, daß der Mensch Gottes Wesen an sich nicht zu erkennen vermag, nur aus den Erscheinungen der Welt, aus den Auswirkungen Gottes in der Natur und in der Geschichte vermag er es zu erschließen. Aber wie gesagt,