Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Von jüdischer Theologie. 31 dem Leben, das seine Rechtfertigung in sich selbst trägt. Nicht an einem theoretischen theologischen Judentum, sondern an einem praktischen lebendigen Judentum erprobt sich die Wahrheit eines Systems der jüdischen Theologie. Menschliche Ideen sind in stetem Flusse begriffen und wandelbar, und auf sie läßt sich kein Ewigkeitsbau gründen. „Es welket das Gras, es dorret die Blume, aber das Wort unseres Gottes besteht ewig“. Gottes ewige Wahrheit allein ist unveränderlich, nur durch sie kann gelegt werden „in Zion ein Grundstein, ein bewährter Stein, ein kostbarer Eckstein festester Grundlage. Wer da vertraut, der wird nicht weichen“ (Jes. 28,16). Und so wäre denn dies das erste und das letzte: Die jüdische Theologie wird nur dann wertvolle Wirkungen ausüben, wenn sie getragen ist vom Vertrauen auf Gottes ewige Wahrheit und Weisheit, die höher ist als alle menschlichen Wahrheiten und Weisheiten, wenn sie des Judentums Lehre, als auf ihr rechtes Fundament, stützt auf Gottes festen Grund, der tiefer ist als alle Gründe der Wissenschaft. Das bedeutet nicht, daß die jüdische Theologie die Augen schließe vor den Problemen der Wissenschaft oder sie gar im seibstsichern Gefühl, die Wahrheit zu besitzen, verachte, sondern daß sie mit Gott und seiner Wahrheit verbunden und daraus ihre Kraft schöpfend nach neuen Wegen suche, die Probleme zu lösen und die Wahrheit des Judentums immer wieder neu in den jüdischen Herzen zu verankern. Denn noch viele Brunnen gibts, die nicht gegraben, noch viele Schätze, die nicht gehoben sind. „Öffne ,mir die Augen, daß ich die Wunder deiner Lehre sehe!“ (Ps. 119,18.) lüüirill!!!!! Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemuth, Berlin. Verlag des Jeschurun, Berlin. Druck von Max Schmersow in Kirchhain N.-L.