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Jeschurun · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. Seite 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
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Bevölkertmgs- und Wirtschaffcsfragen. 21 lassen sich vielleicht in zwei große Gruppen zerlegen, in sogenannte äußere Gründe, bei denen die Macht wirtschaftlicher, politischer oder rein tatsächlicher Verhältnisse ausschlaggebend und der Einzelwille von nur untergeordneter Bedeutung ist, und innere Gründe, bei denen umgekehrt der menschliche Wille mehr in den Vordergrund tritt. Zu den äußeren zähle ich vor allem die Wanderungen, und zwar sowohl überseeische wie Binnenwanderungen, die im Leben der deutschen Judenheit während der letzten 40 Jahre eine große Rolle spielen, Zu den inneren: Taufe, Mischehe und Beschränkung der Kinderzahl. Es sind durch Abwanderung in die Reihen der jüdischen Bevölkerung Lücken gerissen worden, die auf die Geburtsziffer von schwerwiegendstem Einflüsse geworden sind. Große Massen von im heiratsfähigen Alter stehenden jungen Leuten sind aus Preußen, Bayern, Württemberg, Baden, Hessen ins Ausland gewandert und haben naturgemäß die Zahl der Personen, welche für die Eingehung einer Ehe und Fortpflanzung in Frage kommen, gemindert. Hier waren wirtschaftliche Umstände die treibende Kraft, die mit elementarer Gewalt auf den einzelnen einwirkten. Da in den achtziger und neunziger Jahren, als sich die Auswanderung vollzog, hauptsächlich die Landgemeinden das Menschenmaterial abgaben, hat das Judentum alten Schlages, dem die Abwanderer zum größten Teile angehörten, schwere Verluste erlitten. Dazu kam, daß gleichzeitig die Binnenwanderung im deutschen Reiche innerhalb der jüdischen Bevölkerung einsetzte. Zehntausende verließen die kleineren und mittleren Gemeinden in den östlichen Provinzen und strömten in die großen Städte der Provinz, wie Königsberg, Posen, Breslau, vor allem aber nach Berlin; im Süden waren es die Städte Frankfurt, Nürnberg, München, im Westen Cöln, die eine große Anziehungskraft auf die ländliche Bevölkerung ausübten. Eine Fülle von Ursachen wirkte zusammen, um diese Völkerwanderung herbeizuführen. Im Osten sind es mehr wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Gründe, im Süden und Westen mehr persönliche, d. h. der Wunsch, den Lebensabend mit erworbenem Vermögen in der

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